Kunst för Klimatet

Das wird schrecklich: Die Klimakrise kommt in die Literatur, ins Kino und ins Theater. Wir können nichts mehr tun. Eine Glosse.

Besucher begutachten in Kopenhagen das von Eliasson importierte Gletscher-Eis.

Besucher begutachten in Kopenhagen das von Eliasson importierte Gletscher-Eis.

(Bild: Keystone)

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Jetzt bräuchten wir Solarzellen auf jedem Dach, perfekt isolierte Wände, teures Fliegen. Solche Sachen halt. Aber weil die Politik so furchtbar langsam ist, bekommen wir jetzt erst mal: Klimakunst. Der Moment ist gekommen, in dem moralbewusste, werbetechnisch versierte und etwas langweilige Künstler aktiv werden. Sie müssen uns mit ihrer Kunst auf die «Dringlichkeit der Situation» aufmerksam machen.

Klima-Romane, Klima-Theaterstücke, Klima-Kinofilme, all das kommt nun auf uns zu. Die Klimademos waren der «Tipping Point». Es kann sich nur noch um wenige Monate handeln. Sie sitzen bereits in ihren Schreibstuben, Ateliers, Schnitträumen. Niemand wird sie noch aufhalten können.

Der Isländer Olafur Eliasson liess schon Gletscherbrocken aus Grönland an die Tate Modern in London verfrachten, wo sie – Überraschung – schmolzen. «Zuschauer zum Nachdenken bringen», nennt man das. Oder: «Sensibilisieren.»

Ein paar innovative Klimakunst-Kunstwerke wirds schon geben, sicherheitshalber bereiten Sie sich aber besser aufs erwartbar Schlimme vor. Nachfolgend ein paar spekulative Horrorszenarien. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

– Im Theater Basel wird das Theaterstück einer Jungautorin aufgeführt. Titel: «Patriarchat, Du dummes Stück Kackscheisse!!» Ein halb nackter, alter, weisser Mann wird darin ausgepeitscht und flüstert den Satz: «Vergib mir, oh Mutter Erde.»

– Kutti MC gibt sein Comeback fürs Klima. Er rappt: «I loufe düre Breitsch, es isch ungloublech heiss hie...»

– Banksy versteigert einen Bilderrahmen für 800 Millionen US-Dollar an einen arabischen Investor. Das fehlende Bild, erklärt der Künstler in einem überraschenden Instagram-Post, symbolisiere die Ressourcenverschwendung der Menschheit.

– Die Oper Zürich führt «La Traviata» von Giuseppe Verdi aus dem Jahr 1853 auf. Während der Aufführung tragen alle Sänger ein grünes Einstecktuch.

– Ein Performance-Künstler lädt dazu ein, ihm per Webcam dabei zuzuschauen, wie er ohne Sonnencreme auf den Zürcher Sechseläutenplatz läuft, dort stehen bleibt und sich seine Glatze verbrennen lässt. Von den 43 eingeloggten Usern stammen 16 aus Sibirien.

– Kurator Hans Ulrich Obrist fliegt von New York nach Hongkong, dort mit dem Helikopter weiter nach Peking und schliesslich mit dem Offroader aufs Land. Dort besucht er die Privatausstellung eines bisher komplett unbekannten 96-jährigen chinesischen Künstlers, der in einer Mappe getrocknete Blumen aufbewahrt. Interviewanfrage grosser Zeitungen versucht der Mann später vergeblich abzulehnen mit dem Hinweis, es handle sich bei ihm um einen gewöhnlichen Gärtner. Obrist zeigt sich in einem Essay für eine Ausstellung der Fondation Beyeler unter dem Patronat der Chinese Bank of Agriculture – Zitat – «tief berührt vom konfuzianisch-poetischen Umgang mit der existenziellen, uns alle betreffenden Klimakrise».

– Al Gore dreht seinen dritten Klimafilm. Titel: «It’s Getting Even More Inconvenient». Grafiken, die durch die Decke gehen, wackelnde Kameras und besorgte Anwohner. Das Gleiche nochmals also – abgesehen vielleicht von diesem kleinen, etwas merkwürdigen Zucken im Mundwinkel Al Gores.

Gut, vielleicht kommt es nicht ganz so schlimm. Aber dass es schlimm kommt, ist garantiert. Sorry.

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