Jedem Töpfchen sein Deckelchen

Kann die Liebe in Zeiten des Internets dank Dating-Apps schneller erblühen? Und was macht Markus mit den Ratschlägen der «Blick»-Sexberaterin, der er die Frage aller Fragen stellte: «Braucht es Liebe für eine Beziehung?»

Liebesrausch? Nein, Rekordversuch. Küss-Marathon in Las Vegas 2014.

Liebesrausch? Nein, Rekordversuch. Küss-Marathon in Las Vegas 2014.

(Bild: Keystone)

Markus lebt mit einer Frau zusammen, die er nicht liebt. Aber festhalten möchte er doch dies: «Wir haben eine super ­Beziehung, sind ein tolles Team, und wir nerven uns nie, auch wenn wir lange beieinander sind.» Eine solche Beziehungsbilanz darf sich sehen lassen. Nur eben, er vermisst dabei etwas: Schmetterlinge im Bauch spürt Markus, wenn er seine ehemalige Freundin sieht. Andererseits, gibt der 29-Jährige zu bedenken, sei das Leben ohne eine starke Liebe doch angenehmer, «man ist weniger abgelenkt». Nachdem er eingeräumt hat, dass wohl ­alles aus wäre, wüsste seine Freundin um seine fehlenden Gefühle ihr gegenüber, stellt er der «Blick»-Beziehungsexpertin «Fux über Sex» die entscheidende Frage: «Braucht es Liebe für eine Beziehung?»

Die Kantonspolizei warnt

Auch die Kantonspolizei Bern kennt sich auf diesem weiten Feld der vorgetäuschten Liebe aus: «Seien Sie misstrauisch, wenn jemand sehr schnell und ohne Sie persönlich zu kennen von grosser Liebe redet oder schreibt.» Vierzehn Frauen und Männer aus dem Kanton Bern sind im Laufe des Jahres im Internet einer vorgetäuschten Liebe auf den Leim gegangen. Die Gesamtschadensumme beläuft sich, abgesehen von den verletzten Gefühlen, auf eine halbe Million Franken.

Bei den sogenannten Love-Scams oder Romance-Scams handelt es sich um eine Form von Internetbetrug. Die Täter suchen sich ihre Opfer über Singleseiten, Partnerschaftsbörsen oder soziale Netzwerke. Kaum haben sie Kontakt aufgenommen, geben sie vor, die grosse Liebe gefunden zu haben. Nur kurze Zeit später bewegen diese Love-Scammer ihre umworbenen Opfer dazu, ihnen Geld zukommen zu lassen.

Nicht selten soll dies zur Begleichung von Arztrechnungen oder zur Linderung finanzieller Nöte dienen. Die Ermittlungen der Polizei verlaufen in der Regel im Sand, fällt es doch der Täterschaft nicht schwer, ihre Spuren im World Wide Web zu verwischen. Zurück bleiben gebrochene Herzen und eine leere Geldbörse.

«Verletzlichkeit ist der Einsatz»

Wie hat Frau Fux nun dem in seiner Beziehung liebesabstinent lebenden Markus geraten? Er müsse zunächst schauen, dass es für ihn stimme. Wobei sie zu bedenken gibt, dass «verschwiegene fehlende Liebe» dazu führe, dass diese Beziehung auf einer Lüge fusse. Ob er wirklich diese Verantwortung dafür übernehmen wolle. Möglicherweise habe er sich auch schon innerlich entschieden, diese Beziehung zu beenden, fürchte sich aber noch davor, diesen Schritt zu machen. Wie dem auch sei: «Wer liebt, macht sich verwundbar. Das hast Du schmerzlich erlebt. Verletzlichkeit ist der Einsatz, den alle Liebenden leisten müssen, wenn sie in diesem Spiel mitspielen wollen.»

Markus steckt in Zeiten zunehmenden digitalen Austausches von Intimitäten ­immerhin in einer realen, wenn auch schmetterlingsfreien Beziehung mit einem Gegenüber aus Fleisch und Blut. Noch ist er den Gefahren des «Sofaismus» nicht erlegen. Dieser relativ junge Fachbegriff bezeichnet eine Situation, in der der Mensch seine wichtigsten Bedürfnisse via Computer befriedigt: Nahrungsmittelbestellung, Informationen, Liebe.

Ein radikaler Rückzug auf die digitale Kommunikation birgt die Gefahr, dass wir eines Tages auf diesem «Sofa» aufwachen und die direkte Auseinandersetzung mit anderen Menschen vermeiden oder direkte Kontaktaufnahmen gar verlernt haben. Menschen, die das lange Kommunizieren über Whatsapp gewohnt sind, erleben es oft als Enttäuschung, wenn sie den Kokon des Smartphones verlassen und dem Gesprächspartner in der Wirklichkeit erstmals begegnen. Viele Beziehungen, die online oder über Smartphone beginnen, enden kurz nach dem ersten Treffen im Café. Die Erwartungen sind schlicht zu hoch. Und Markus? Was wird er wohl mit den Ratschlägen von Frau Fux machen?

Der Bund

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