«Hören Sie mit dieser CO2-Verteufelung auf!»

Die Klimabewegung wird breiter, grösser. Und die grösste Partei der Schweiz? Findets weiterhin unnötig. Gespräch mit einem ihrer Vordenker.

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Heute Freitag ist wieder Klimastreik: Schülerinnen und Schüler gehen auf die Strasse, weil sie sich ums Klima sorgen. Alles Gugus?
Ja. Wenn Kinder der Politik die Richtung vorgeben, stimmt etwas nicht mehr. Wir beobachten eine Infantilisierung. Dass die Lehrer die Kinder zum Schulschwänzen ermuntern und mit Demos indoktrinieren, wäre selbst zu meiner Zeit unter den progressivsten 68er-Lehrern nicht möglich gewesen. Ich habe nichts dagegen, wenn man den Klimawandel in der Schule thematisiert, im Gegenteil, aber bitte im Klassenzimmer, mit unterschiedlichen Meinungen.

Sie verweigern sich als Politiker der Verantwortung, lagern das Problem der Klimakrise ins Private aus. Da könnte man genauso gut sagen: Wofür brauchen wir die AHV? Soll doch jeder selber sparen.
Nichts gegen sparen und finanzielle Eigenverantwortung! Das Thema Klima nehme ich sehr ernst. Deshalb stelle ich mich mit fundierten Argumenten in der «Weltwoche» gegen diese politische Massentrance, die uns gegenwärtig überrollt.

Mit Ihrer Verneinung des menschenverursachten Klimawandels stehen Sie in Opposition zur Klimawissenschaft. Kommen Ihnen nie Selbstzweifel?
Ich betrachte einfach die unbestrittenen Fakten. Seit Ende der kleinen Eiszeit um 1860 hat sich das Weltklima nur um knapp ein Grad erwärmt. Es gab in der Geschichte schon viel grössere Schwankungen. Die Hälfte des Anstiegs passierte zwischen 1910 und 1940, obschon der CO2-Gehalt damals viel tiefer war als heute. Danach kühlte es wieder ab trotz immer mehr CO2. Wie heiss es in den Dreissigerjahren war, dokumentiert zum Beispiel John Steinbeck in seinem Klassiker «The Grapes of Wrath», wie Sie als Kulturredaktor wissen.

John Steinbeck in Ehren, aber von den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn fanden neun 2005 oder später statt. Die Tendenz ist offensichtlich.
Ist sie das? Der Weltklimarat hat Modelle für jede Klimaprognose, so, wie wenn Sie beim Lotto alle Zahlen ankreuzen. Sechser garantiert. Die dramatischen Prognosen dieser Behörde traten nicht ein. Wenn aber Naturwissenschaft falsche Prognosen macht, ist es keine Naturwissenschaft. Dies sage nicht ich, das sagt Richard Lindzen, renommierter Meteorologe des MIT in Boston.

Lindzen nahm erwiesenermassen Geld von der Kohlelobby.
Und jetzt? Alle sind bezahlt, die Klima-Apokalyptiker vom Staat. Entscheidend ist die Qualität der Ergebnisse. Als interessierter Laie nehme ich zur Kenntnis, dass das Evangelium der Klima-Propheten von namhaften Wissenschaftern wie Lindzen bestritten wird, während die Politik aber bereits im Begriff ist, diese Klima-Hysterie als absolute Wahrheit zu begreifen.

Lindzen ist ein akademischer Aussenseiter. Was ist denn Ihrer Meinung nach los mit der riesigen Schar an Klimawissenschaftlern, für die der menschengemachte Klimawandel Tatsache ist? Eine Verschwörung oder was?
Irren ist menschlich. (lacht) Und die Klimapolitik ist ein Riesengeschäft, da hängen Lehrstühle, Karrieren, ganze Branchen dran. Wir spüren doch, wie politisiert das alles ist. «Skepsis» ist schon ein Schimpfwort beim Thema Klima. Dabei ist Skepsis die wichtigste wissenschaftliche Tugend. Gefährlich ist, dass der Staat massiv in unsere Wirtschaft und die Energieversorgung eingreift. Man arbeitet mit 30-Jahr-Szenarien und länger. Da waren die Sowjets mit ihren 5-Jahr-Plänen bescheiden.

Aber wenn es jetzt noch heisser wird, hätten Sie auch keine Freude, oder?
Warum nicht? Klimawandel gab es immer, man muss sich auf die Folgen einstellen. An gewissen Orten ist es eine Katastrophe, an anderen ein Segen. Der Mensch glaubt heute, er sei sozusagen im Zentrum des Universums, der Schöpfung. Sogar das Klima, dieses mysteriöse Multifaktorensystem, soll nur vom Menschen abhängig sein. Das ist Anmassung, religiöse Verblendung, Selbstvergottung.

Es gibt keinen staatlichen Handlungsbedarf bezüglich der Klimakrise?
Nein. Der Staat soll sich zurückhalten, bescheiden bleiben. Ich habe nichts gegen bessere Energieträger und neue Technologien, aber man soll hier auf die Innovationskraft der Unternehmen und des privaten Sektors vertrauen. Die staatliche Klima-Kolchose ist viel gefährlicher als der Klimawandel.

Ihre persönliche CO2-Bilanz interessiert Sie auch nicht?
Hören Sie mit dieser CO2-Verteufelung auf! Dank dem CO2 wachsen seit dreissig Jahren die Grünflächen massiv auf der Erde. Ich habe beim CO2 massiven Nachholbedarf. Ich fahre erst seit zehn Jahren Auto.

In der Tamedia-Umfrage ist «Klimawandel und Umweltzerstörung» auf Platz drei der drängendsten Themen. Die Volkspartei scheint da ein Anliegen der Bevölkerung zu missachten und stattdessen eine Dandy-Haltung zu kultivieren. Etwas Spott, ein wenig Zynismus, viel Gleichgültigkeit.
Unsinn. Ich bin doch nicht für Umweltzerstörung. Aber als Journalist ist es meine Aufgabe, die Leute auf Fehler, Denklücken und verdrängte Fakten hinzuweisen. Beim Klima haben wir einen Hype. Ich spreche von einer neuen Sonnenreligion, einer Art Polit-Trance. Es ist Bürgerpflicht, Gegensteuer zu geben. Die Debatte ist gefährlich einseitig.

Kommt bald der «nuclear turn» der SVP? Die Forderung, den Atomausstieg rückgängig zu machen und neue AKW zu bauen?
Wir haben kein romantisches Verhältnis zur Nuklearenergie. Aber wir wollen eine längerfristig gesicherte Stromversorgung, die unabhängig vom Ausland ist. Mit unserer kopflosen Energiewende werden wir an die Wand fahren und die Schweiz vom Ausland abhängig machen.

Redaktion Tamedia

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