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Grand Prix der Volksmusik: Nett, aber ideenlos

Die Live-Übertragung des Grand Prix der Volksmusik auf SF, ZDF und ORF 2 zeigte, dass in der Branche zwar teilweise frischer Wind weht. Das Publikum setzt aber auf Altbewährtes.

Kein überraschendes Ergebnis: Die Klostertaler gewannen den diesjährigen Grand Prix der Volksmusik im Zürcher Hallenstadion - wohl dank riesengrosser, jahrelang gewachsener Fan-Gemeinde.
Kein überraschendes Ergebnis: Die Klostertaler gewannen den diesjährigen Grand Prix der Volksmusik im Zürcher Hallenstadion - wohl dank riesengrosser, jahrelang gewachsener Fan-Gemeinde.
Keystone
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Wer sich gestern Abend wohlig in den Fernsehsessel zurücklehnte, das Schweizer Fernsehen einstellte und sich auf eine angenehme Portion Peinlichkeiten und Fremdschämen freute, der wurde enttäuscht. Das unauffällige Bühnenbild und das perfekt aufeinander abgestimmte, aber eher brav und unspektakulär gekleidete Moderatorenpaar Francine Jordi und Sascha Ruefer liessen bereits am Anfang das Motto des ganzen Fernseh-Ereignisses vorausahnen, was später noch kommen sollte: Die Beiträge der Sendung waren dann auch grundsätzlich solide und nett, etwas träge und mit nur wenigen Ausreissern in die Welt der musikalischen Höhenflüge oder Peinlichkeiten garniert.

Themen-Armut

Dass der volkstümliche Schlager sich eingängiger und unkomplizierter Melodien und eben solcher Texte bedient, ist nicht nur okay: Das darf und muss so sein. Er soll ja per definitionem das Volk, die breite Masse ansprechen.

Gestern machte sich aber das Gefühl breit, dass die Gesellschaft nur zwei Themen beschäftigen: Zum einen die Religion, die einen aus Zeiten der Not hilft. Die Beiträge «Glaube an Gott», «Ein bisschen Gottvertrauen», «Die alte Madonna» und «Glaube ist...» waren inhaltlich kaum zu unterscheiden. Die restlichen Beiträge hatten dann mit wenigen Ausnahmen die schöne Heimat und die Berge zum Thema.

Die schöne Landschaft der eigenen Heimat war zum Beispiel auch bei der Kapelle Oberalp, zusammen mit Domingo Rey und den Los Brillantes Paraguayos Hauptthema. Abgesehen vom ältlichen Text bot dieser Beitrag aber instrumental eine angenehme Abwechslung: Südamerikanische Musik, gepaart mit Schweizer Volksmusik. Das klingt erstaunlich erfrischend, wurde aber vom Publikum leider nur auf Rang 11 gewählt.

Genauso erfrischend wie der Musik-Mix war übrigens die Bühnenperformance der Paraguayer - da hätte sich mancher europäische Einheitsschunkler an diesem Abend eine Scheibe abschneiden können.

Oeschs die Dritten: Der Namen war Programm

Fast die Einzige, die ähnlich viel Temperament an den Tag legte wie die Südamerikaner, war Melanie Oesch von der Familien-Formation «Oeschs die Dritten». Rein leistungsmässig hätten die Oeschs den begehrten Bergkristall zweifellos verdient. Das Lied «Die Jodelsprache» ist sehr volkstümlich, der Text aber keinesfalls zu vergleichen mit dem sonstigen textlichen Einheitsbrei. Sascha Ruefer unterstellte Sängerin Melanie Oesch beim Jodeln zudem berechtigterweise die «Kadenz einer Nähmaschine».

Grundsätzlich war aber schon von vornherein klar, dass die Oeschs neben altgedienten Formationen wie den Klostertalern chancenlos waren. Der Beitrag der Klostertaler, die den Grand Prix vor Jahren bereits einmal gewonnen hatten, war zwar nicht halb so frisch und innovativ wie jener der Oeschs. Die Klostertaler können aber im ganzen deutschsprachigen Raum auf eine so riesige Fangemeinde zählen und haben so viele Preise abgesahnt, dass jeder deutsche Popstar vor Neid erblassen würde.

Auch von den Schweizern wurde der Klostertaler-Beitrag mit Punkten überhäuft. Oeschs die Dritten landeten dann ganz ihrem Namen gemäss auf dem dritten Platz. Vor ihnen noch das Duo Vincent und Fernando, die dieselbe Punktzahl wie die Klostertaler erreichten, von der Fachjury dann aber auf den zweiten Platz verwiesen wurden. Vincent und Fernando wurden bereits 2006 und 2007 Zweite beim Grand Prix.

Ballermann lässt grüssen

Eine kleine Sensation war wohl die gute Platzierung der jungen «Dorfrocker» aus Deutschland. Die spielten zwar alles andere als Rock, sondern vielmehr anspruchslosen Mallorca-Schlager vom Feinsten mit ihrem «Ab geht die Lutzzzi» - dementsprechend laut waren auch ihre mitgebrachten Fans. Obwohl das Stück musikalisch kein Höhenflug war - Stimmung haben die drei in guter alter Jürgen-Drews-Manier auf alle Fälle produziert.

Vermutlich sind es genau solche Formationen, die junge Leute für Schlager begeistern können, denn die Dorfrocker schafften es als besten Deutsche auf den vierten Platz. Diese Stimmen erhielten sie mit ziemlicher Sicherheit nicht von den älteren, eingefleischten Grand-Prix-Fans.

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