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Geordneter Rückzug

Die Stadt hat ihr Literaturförderkonzept erneut verändert – das verdient Lob.

Bleibt der angestammte Ort für Literaturausstellungen: Der Strauhof.
Bleibt der angestammte Ort für Literaturausstellungen: Der Strauhof.

Der Rückzug ist die heikelste Operation im Krieg. Manchmal auch im Frieden, in der Politik: Muss man doch befürchten, dass zur Räumung von Positionen auch noch Gesichts- und Gewichtsverluste kommen. Schliesslich hat man sich ja mit den öffentlich verkündeten Zielen identifiziert. Dass die Stadt ihr Literaturförderkonzept nun erneut verändert hat, und zwar derart, dass von den ursprünglichen Plänen wenig übrig geblieben ist – das war unvermeidlich und verdient dennoch ausdrücklich Lob. Denn am Ergebnis muss man Politiker messen, auch wenn es zögernd, widerstrebend, auf Umwegen oder erst auf starken, hartnäckigen Druck von Medien und Öffentlichkeit zustande kommt. Hier war all dies der Fall: Peter Haerle und Corine Mauch haben gemauert, laviert, auf Zeit gespielt, gar getrickst – der Druck hat nicht nachgelassen, und das Ergebnis ist gut, im Grossen und Ganzen.

Der Strauhof bleibt nicht nur das Domizil der Joyce-Stiftung, sondern auch der angestammte Ort für Literaturausstellungen. Diese werden von der Stadt nicht mehr hauptamtlich ausgerichtet, aber substanziell unterstützt: 425'000 Franken jährlich sind fast das Dreifache der ursprünglich veranschlagten Summe und müssten ausreichen, die immer angestrebte «private Trägerschaft» zu finden und zu motivieren. Dass es nicht mehr ganz so viele Ausstellungen sein werden wie unter Roman Hess, kann man verschmerzen.

Das Schreiblabor Jull, mit dem Haerle und Mauch sich ein Gesicht als «moderne» Kulturmanager geben wollten, der Jugend und den Benachteiligten zugewandt, muss zwar abspecken; es gibt weniger Geld und weniger attraktive Räume. Aber immerhin: Es wird überhaupt ein von der Stadt unterhaltenes betreutes Schreiben für nicht kulturaffine Jugendliche geben, also etwas Neues. Das war wohl die rote Linie, die für die Stadt zwischen Zurückweichen und totaler Niederlage verläuft.

Mathematisch ausgedrückt: Das Literaturmuseum geht von x auf x–1, das Jull von 0 auf x. In der Summe kann die Stadt das sogar als Erfolg verkaufen. Die Freunde der Literatur wiederum können sagen: Der Rückzug war sinnvoll, er ist geordnet verlaufen und ohne grössere Verluste.

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