Feschttags-Prüefigsboge

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt ist der Festtage überdrüssig - und schreibt deshalb über die Festtage.

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S git doch so Multipe-Choice-Prüefigsboge, wo über d Lösige e Schablone drüber gleit wird u d Resultat entweder deckigsglych sy oder äbe nid. Die Zyle wo hie itz chöme, sy o so gmeint.

Aui Sätz chöit Dihr mit öich säuber abglyche, we Dihr weit. Wo gits Überschnydige, wo nid, wo gar nid? Aber vilecht macht me das ja sowieso, bi jedem Tekscht, en Abglych mit sich säuber? Uf jede Fau giengs by däm Prüefigsboge um de Feschttag. D Feschttag sy d Schtiui, wo ungereinisch dusse uf de Schtrassen isch, ir Stadt, i de Quartier u sogar ir Wohnig, nume ds Blodere vo dr Kafimaschine oder ds Ruusche vor Heizig, süsch nüt.

D Feschttag sy no schnäu go dr Food ychoufe un Angere zueluege, won o no schnäu Food ychoufe, u die üppige Fisch- u Fleischtheke gseh u dänke, dass aues, wo nid verchouft wird, furtgschosse wird. D Feschttag sy em Surprise-Strassemagazin-Verchöifer e Rose schänke u das irgendwie e Bitz pynlech finde, aber gseh, dass är gloubs Fröid het. D Feschttag sy einisch meh überlege, werum eim d Schwigereutere so usefordere ir Geduld, obwou sie nätt sy.

D Feschttag sy i grau Himel luege u «si le soleil ne revenait pas» dänke, obwous dises Jahr viu Sunne het gä. D Feschttag sy Zyt ha fürs Zytig-Läse u de doch hüfig ungerbroche wärde, wöu eim dr Bueb die nöie Schpiufigure wott zeige, was die aues chöi u weli die schterchscht Figur isch; u de no wüsse wöue, weli me säuber am coolschte findt. D Feschttag sy dr Blues ha u verfrässe sy, a Lüt dänke, wo nümme sy oder wo me us den Ouge het verlore. D Feschttag sy ke Schnee u säge, früecher syg das mit em Schnee a de Feschttag auso no ganz angers gsi.

D Feschttag sy d Ching geng ume is graue Nüt useschicke, drmit sie sech ustobe u eim nid z viu uf dr Nase umegumpe. D Feschttag sy am 24. am Morge so früech wie müglech churz i Migros seckle, um no Bio-Güggeli z bercho. Ja, d Feschttag sy z viu ässe, aber on ungloublech fein ässe.

D Feschttag sy d Verabredig, dass me kener Gschänk meh macht, mira nume no de Chind, am Änd aber de doch aui «rein symbolisch» Gschänkli verteile. D Feswchttag sy ke Tanneboum, definitiv ke Tanneboum, eifach bitte kener Tanneböim meh. D Feschttag sy de aber, dass Kreti u Pleti uf Facebook Föteli vo gschmückte Tanneböim pöuschtet, dass Kreti u Pleti Biuder vo gschmückte Tanneböim per SMS u Whatsapp u Mail verschickt, aus giebs uf dr wyte Wäut ungereinisch kener angere Sujets meh! D Feschttag sy, dass i die Tag komisch u schön u grässlech u fein glychzytig finge. D Feschttag sy, em ne aute Fründ äntlech wider alüte, wöu me das scho lang het wöue.

D Feschttag sy Tischdecki fürehole, wo me fascht vergässe het, dass me se het. D Feschttag sy, dass usekeit, wär ke Familie het. D Feschttag sy meischtens gschlosseni familiäri Gseuschafte un i versueche drgäge z gah. D Feschttag sy myni Erkenntnis, dass i die ewig gylche Ablöif nid gärn ha. D Feschttag sy, dass überau fascht nume no Wiehnachtsgschichte z gseh u z ghöre sy, im Radio, i de Zytige, uf de Bühne – un itz o hie no mit dene Zyle. Feschttag sy, we dr Horizont äng wird. D Feschttag sy, wes höchschti Zyt wird, wider uf z tue.

U de – wien ischs mit em Abglych, gits Überschnydige oder nid?

(Der Bund)

Erstellt: 28.12.2018, 06:39 Uhr

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