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«Es herrscht eine Sucht, sich permanent interessant zu machen»

Der Fall der falschen Ärztin wirft Fragen auf – nicht zuletzt über unsere eigenen Täuschungsmanöver. Autor Christian Saehrendt über die Hochkonjunktur der Hochstapelei.

Herr Saehrendt, wieso wird jemand zum Hochstapler? Die Hauptmotive sind Gier und Geltungssucht – bis hin zu ausgeprägten Persönlichkeitsstörungen. Letztere, echte Hochstapler, sind zu unterscheiden von rational handelnden, kriminell motivierten Betrügern.

Speziell am Fall Lotte Zahm ist, dass sie sich nicht bereichern, sondern im Gegenteil den Leuten helfen wollte. Wie sehen Sie das? Das Helfen gilt als die edelste menschliche Tätigkeit. Hier kann man sich aufopfern bis hin zur Selbstaufgabe, sich aber auch des Applauses und der allseitigen Bewunderung sicher sein. Und genau diese Bewunderung, dieses Sozialprestige ist es, wonach sich der Hochstapler sehnt. Und deshalb gibt es so viele falsche Ärzte und Therapeuten, so viele Wunderheiler, dubiose Mäzene und Spender.

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