Erst Spion, nun «ein begehrter Mann»

In Deutschland gespitzelt, dann verurteilt und nun im «TalkTäglich»: Was bleibt vom Schwatz mit Daniel Moser?

Der «Schweizer Spion» Daniel Moser und sein Anwalt Valentin Landmann waren am Mittwochabend bei Markus Gilli im «TalkTäglich» zu Gast.

Der «Schweizer Spion» Daniel Moser und sein Anwalt Valentin Landmann waren am Mittwochabend bei Markus Gilli im «TalkTäglich» zu Gast. Bild: Screenshot TeleZüri

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Von einem «Agententhriller» sprach Markus Gilli und nannte Daniel Moser den «Schweizer James Bond»: Ja, der Einstieg ins «TalkTäglich» von Mittwochabend war verheissungsvoll. Das «Exklusivinterview» mit dem Schweizer Spion Daniel Moser – das aber streng genommen keines war, da der «Blick» zeitgleich ein schriftliches Interview publizierte – versprach jedoch mehr, als eingelöst wurde.

Daniel Moser vertrat seinen Standpunkt, in «vollem Bewusstsein und aus tiefster Überzeugung» gehandelt zu haben, weiterhin. Ihm sei bewusst gewesen, dass er sich mit seinen Undercover-Aktionen und dem Versuch, einen Maulwurf in die deutschen Steuerbehörden einzuschleusen, nach deutschem Recht strafbar gemacht hatte. Doch das deutsche Recht sei bei ihm zu diesem Zeitpunkt nicht an erster Stelle gestanden.

Somit sprach der zu 22 Monaten bedingter Haft verurteilte Daniel Moser erstmals über die Gründe, die ihn zu dieser Straftat getrieben hatten: Das Verhalten der deutschen Steuerfahnder, die CDs mit Kundendaten von Schweizer Banken kauften, sei für ihn «eine Riesenschweinerei» gewesen, und es habe ihn «nicht wahnsinnig viel Kraft gekostet», den Auftrag des Nachrichtendienstes des Bundes anzunehmen.

Der väterliche Anwalt

Als anschliessend über die Rolle Mosers in Deutschland gesprochen wurde – «Waren Sie der Hauptspion oder nur der Mitläufer?» fragte Gilli – meldete sich erstmals Mosers Verteidiger, der Schweizer Rechtsanwalt Valentin Landmann, zu Wort – und versuchte spitzfindig zu erklären, wie der Begriff des Spions in Deutschland definiert wird. Moderator Gilli brachte das Gespräch wieder aufs Thema und erhielt schliesslich von Landmann bestätigt, dass unbestreitbar eine Straftat begangen wurde.

Allgemein verhielt sich Landmann – mit seiner getragenen Art und der Uhrenkrawatte – zu seinem Mandanten wie ein stolzer Vater zu seinem Sohn. Daniel Moser sei ein «sehr kluger Kopf», erledige seine Arbeit «hervorragend, und seine Berichte haben Hand und Fuss»; er erklärt, dass Moser durch diese Geschichte zu einem «begehrten Mann» für die Privatwirtschaft geworden sei.

Landmanns Ausführungen zur Intelligenz seines Klienten standen jedoch diametral zu seinem Verhalten – ergriff er doch regelmässig das Wort für ihn. Der Auftritt wirkte fast wie ein einstudiertes Stück, wobei Regisseur Landmann für die möglichst perfekte Umsetzung sorgte, indem er regelmässig soufflierte.

Das Interview konnte neben den Ausführungen zum Motiv keinen grossen Informationsmehrwert liefern. Landmann gratulierte Moser zum Schluss mit väterlichem Schulterklopfen zum «gelungenen» Auftritt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2017, 12:16 Uhr

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