Zum Hauptinhalt springen

«Dieser Vorschlag ist einfach nur schlecht»

Gegen geschlechtsneutrale Verkehrsschilder hat Christian Brändle, der Direktor des Zürcher Museums für Gestaltung, nichts einzuwenden. Den Vorschlag für die neuen Schilder findet er trotzdem furchtbar.

Die Figuren auf den Verkehrsschildern sollen geschlechtsneutral sein, was meint der Experte dazu? Das finde ich grundsätzlich ok. Allerdings muss eine solche Designänderung eine Qualität aufweisen, damit das Sujet wieder 50 oder 80 Jahre hält. Wenn ich den Entwurf des Fussgängerverbotsschilds mit dem alten vergleiche (links oben), so bedeutet die neue Plastikfigur ein massiver Verlust was die Gestaltung anbelangt. Das alte Männchen bewegt sich viel souveräner, das neue steht breitbeinig da, hat Rückenschmerzen, deshalb zieht es den Arm zur Schulter hoch. Auch rein funktional bedeutet der neue Entwurf keinen Gewinn: Man erkennt das Männchen bei raschem Hinsehen keineswegs besser.

Aber den Verlust des Geschlechts ist Ihnen egal? In der gegenwärtigen visuellen Kultur ist die Androgynisierung ein grosses Thema. Was typisch männlich und was weiblich ist, hebt sich oft auf, wird spielerisch verwischt. Vor diesem Hintergrund kann man durchaus sagen: Wir machen ein geschlechtsneutrales Bild, aber innerhalb dieser Vorgabe geben wir richtig Gas!

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.