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«Der grosse Einbruch kommt erst 2010»

Als Folge der Finanzkrise brechen in den USA die Sponsoringeinnahmen ein, mit verheerenden Folgen für Opern und Museen. Auch in Europa werden die Auswirkungen dramatisch sein, sagt Experte Maurice Lausberg.

In den USA hat die Finanzkrise grosse Auswirkungen auf das Sponsoring von Kulturunternehmen. Wie ist das in Europa? Wir erleben schon jetzt, dass Banken ihre Engagements absagen.

Welche Banken? Ich nenne keine Namen. Aber die Auswirkungen werden auch hier dramatisch sein. Wenn es den Unternehmen schlecht geht, so sind das Marketing und das Sponsoring die ersten Bereiche, in denen gespart wird. Deshalb lautet die grosse Frage: Von welchen Industriezweigen sind die Kulturinstitutionen abhängig? Für jene, die vor allem vom Finanzsektor gesponsert werden, wird es hart. Es zeigt sich, dass es auch im Sponsoring wichtig ist, zu diversifizieren, breit aufgestellt zu sein.

Wie rasch werden die Auswirkungen bemerkbar werden? Das hängt von den Verträgen ab. Die Opernhäuser, mit denen wir zusammenarbeiten, haben in der Regel ihre Sponsoringverträge für 2009 bereits abgeschlossen. Der grosse Einbruch ist erst 2010 zu befürchten. Vor diesem Hintergrund ist es im Sponsoringbereich unglaublich wichtig, langfristige Verträge zu vereinbaren.

Der Anteil des Kultursponsorings bei einer Grossbank ist im Vergleich zu anderen Ausgaben marginal. Trotzdem wird rigoros gespart? Sicher. Wenn es heisst, wir kürzen den gesamten Marketing-Etat um X-Millionen, dann muss auch das Sponsoring einen Anteil leisten – oft sogar einen ziemlich grossen.

Nebst den Sponsoren sind auch Kulturstiftungen betroffen. Ja, die ausgeschütteten Stiftungsgelder werden einbrechen. Je nachdem, wie die Stiftungen ihr Geld angelegt haben, ist das Stiftungskapital beziehungsweise die Kapitalrendite geschrumpft. Auch die Zinsentwicklungen können bei den Stiftungen ein Problem darstellen.

Wie geht es weiter? Wird die Finanzkrise Auswirkungen auf die Kulturlandschaft haben? In Europa sind die Institutionen viel weniger von privaten Geldgebern abhängig als in den USA. Hier stammen mehr als 90 Prozent der Zuschüsse von der öffentlichen Hand. Problematisch ist allerdings, wenn die Unternehmen aufgrund der Finanzkrise weniger erwirtschaften und keine Steuern mehr bezahlen. Dann sind die Auswirkungen für die Kultur langfristig grösser, als wenn die Sponsoringgelder nicht mehr fliessen. Das Beruhigende dabei ist aber: Theater gespielt wird immer. Nach dem Krieg gehörten in Wien und München die Opern zu den ersten Gebäuden, die wieder aufgebaut wurden.

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