Das Leben nach der Affäre

Wie erging es Monica Lewinsky, nachdem ihr Verhältnis mit US-Präsident Bill Clinton aufflog? Eine fiktionale Webserie begleitet die Studentin in der Zeit nach der Enthüllung.

Gegenentwurf zum launischen Newsgeschäft: Webserie «Monica».

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Im Januar 1998 wurde bekannt, dass der damalige US-Präsident Bill Clinton Ehebruch begangen hatte. Der Rest ist Geschichte: Clinton konnte eine Amtsenthebung wegen Meineids knapp abwenden und blieb bis 2001 an der Macht. Heute ist die Affäre praktisch vergessen.

Und Lewinsky? Von ihr weiss man, dass sie sich wenig später als Handtaschendesignerin versuchte und sich für einen Dokumentarfilm des Senders HBO mit dem Titel «Monica in Black and White» den Fragen der Öffentlichkeit stellte. 2006 machte sie in London ihren Uni-Abschluss in Sozialpsychologie.

Wie verdaut eine 27-Jährige eine solche plötzliche und fragwürdige Berühmtheit? Es sei eine Last für sie gewesen, betonte Lewinsky letztes Jahr in einer Rede. Sie sehe sich als «Patientin Zero», als die erste Frau, die vom Internet verunglimpft wurde. Die Webserie «Monica» von Doron Max Hagay hingegen verzichtet auf eine Bewertung des Ereignisses. Sie setzt dort an, wo die Fernsehberichte einst aufhörten: nach dem grossen Knall. Die öffentliche Empörung ist allmählich verpufft, und eine pausbäckige Lewinsky mit dick aufgetragenem Rouge, gespielt von Lily Marotta, mauschelt sich durchs New Yorker Grossstadtleben. Das Beret auf den schwarzen Locken drapiert und immer darauf bedacht, nicht aufzufallen (was sie natürlich trotzdem tut).

Wie ein stiller Begleiter

Mit ihrer unaufgeregten Erzählweise ist die Serie eine Art Gegenentwurf zum launischen Newsgeschäfts, das sich erst in seine Opfer verbeisst, und danach auf einmal wieder von ihnen ablässt. Die Kamera folgt Lewinsky wie ein stiller Begleiter in die Yogastunde, in den Park, zur Vorbesprechung bei HBO. Sie dokumentiert ein fiktives Szenario, fantasiert, wie es der realen Lewinsky hätte ergehen können. Natürlich ist auch das medial kolportierte Bild von Letzterer ein blosses Konstrukt. Vielleicht fällt es deshalb so leicht, Marottas Lewinsky als die echte hinzunehmen.

Dadurch, dass die Webserie dort anfängt, wo die Erzählung vor 17 Jahren abbrach, füllt sie eine Leerstelle im Lewinsky-Narrativ auf. «That woman», «diese Frau» hatte Clinton seine damalige Praktikantin vor der Presse genannt. Seine Wortwahl vermittelte vor allem eines: Distanz. Es ging um seine Glaubwürdigkeit, sein Ansehen und letztlich die Rettung seines Rufs. Die Webserie «Monica» hingegen verbündet sich mit Lewinsky. Sie interessiert sich für «diese Frau» ohne ihr Handeln zu psychologisieren. Sie zoomt sie nahe heran, statt sich zu distanzieren.

DerBund.ch/Newsnet

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