Da strömt das Herzblut

Radio Rabe wird zwanzig Jahre alt und schenkt sich selbst eine Jubiläumsfeier – inklusive Ausstellung und Livesendungen aus dem Löscher. Ein morgendlicher Besuch.

Die Gesichter des Radios Rabe: 166 Sendungsmacherinnen und -macher wurden für die Ausstellung zum Jubiläum abgelichtet.

Die Gesichter des Radios Rabe: 166 Sendungsmacherinnen und -macher wurden für die Ausstellung zum Jubiläum abgelichtet. Bild: Pius Bacher

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Gisela Feuz strahlt. Sie, die kürzlich zur Kulturredaktorin bei Berns unabhängigem Radio Rabe gewählt wurde und auch als Journalistin für den «Bund» schreibt, hatte soeben Reverend Beat-Man in der Morgensendung zu Gast. «Ich habe ihn spontan angerufen und gefragt, ob er vorbeikommen wolle, und er hat sofort zugesagt.» Und das, obwohl er danach sofort los musste, um den Mittagstisch für seinen Sohn und weitere Kinder vorzubereiten. «Wir erfahren grosse Solidarität», sagt Gisela Feuz und schwärmt von der Vernissage letzten Montag. Die Bude sei voll gewesen mit Menschen, die diese Jubiläumsfeier überhaupt möglich gemacht hätten.

Rabe, das Gemeinschaftsradio mit dem Anspruch auf «alternative Informationsvermittlung», wird nämlich zwanzig Jahre alt und hat dafür ein Ausnahmeprogramm zusammengestellt: Drei Wochen lang wird aus der alten Feuerwehrkaserne am Viktoriaplatz, dem sogenannten Löscher, gesendet, mit Gästen wie Jeans for Jesus, den Elektro-Pop-Helden der Stadt, dem Langenthaler Aushängeschild-Rapper Knackeboul, den bodenständigen Rockmännern von Bubi Eifach und eben Beat Zeller alias Beat-Man. Er plaudert übrigens an diesem Morgen aus dem Nähkästchen, spielt Lieder und gibt Einblick in seine Plattensammlung, während das Publikum an den Restauranttischen sitzt, Kaffee trinkt und in Gipfeli beisst.

Dank Flaggen zum Erfolg

Ebenfalls im Löscher ist die Ausstellung (hauptsächlich kuratiert von Musik­redaktor Martin Schneider, Amplifier-Sendungsmacher Pjotr Müller und Juliane Fink, ehemaligem Vorstandsmitglied), in der man sich einen Überblick über zwanzig Jahre unabhängiges Radioschaffen machen kann. Und es wirkt wie ein Wunder, dass es Rabe überhaupt noch gibt: Wenn man sich durch die Schlagzeilen der zahlreichen Zeitungsartikel liest, ist da oft die Rede von fehlenden Vereinsmitgliedern und riesigen Finanzlöchern. Dazu kam im Jahr 1996 ein Studiobrand, der die ganze Technik zunichtemachte.

Vor sieben Jahren aber geschah die Wende: Die Redaktion rappelte sich auf und lancierte eine Öffentlichkeitsaktion, die ihresgleichen sucht. Nebst zahlreichen Soli-Anlässen führten vor allem Flaggen zu einer steigenden Mitgliederzahl – und es sind eben diese Flaggen, die bis heute unzählige Balkone und Fenster in Berner Quartieren zieren. Rabe hat die Kurve gekriegt und zählt heute die überlebensnotwendigen tausend Mitglieder.

«Wir sind nach wie vor nicht auf Rosen gebettet», sagt Wilma Rall. Die Wahlbernerin aus Zürich arbeitet seit acht Jahren bei Rabe und ist mitverantwortlich für das News- und Hintergrundmagazin «Rabe Info». Sie ist an diesem Morgen ebenfalls vor Ort und muss gleich an eine Sitzung. «Vor ein paar Jahren hatten wir 400 Mitglieder. Jetzt sind es über 1000! Aber wir müssen schon immer schauen.» Fürs Jubiläum hat sie Audio-Porträts aller aktuellen Rabe-Sendungen gestaltet, die über das ganze Jahr verteilt auf Rabe ausgestrahlt werden – eine Hommage an alle freien Sendungsmacher. Einige Porträts sind im Löscher zu hören, darunter auch ein amüsantes Interview mit der Rabe-IT-Redaktion.

Ahnengalerie der Macher

Ausserdem ist da diese tolle Installation des Künstlers Till Könneker, der alte Radios zusammengezimmert und so ein Kunstwerk erschaffen hat, das einsam vor sich hintönt. Gleich im Raum nebenan – den man nach einem Spaziergang rund um die Kaserne erreicht – sind Schwarzweiss-Porträtfotos (von Karin Scheidegger) ausgestellt, auf denen alle 166 Sendungsmacherinnen und -macher abgelichtet sind. Und fast alle arbeiten sie ehrenamtlich.

Klar: Herzblut allein ist kein Qualitätsgarant. Aber bei Rabe, da sprudelt es nur so, und man kann gar nicht anders, als sich über dieses Jubiläum mitzufreuen.

Ausstellung und Live-Sendungen bis 19. 3. Das ganze Jubiläumsprogramm ist unter www.wahnsinnsradio.ch abrufbar. (Der Bund)

Erstellt: 03.03.2016, 10:29 Uhr

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