Cornuto!

«Mundart»-Kolumnistin Renée Maria Bellafante erinnert sich an ihr erstes Fremdwort zurück.

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Weisch no denn, d Frömdarbeiter, di hütige Lieblingsusländer, d Tschingge. U was es süsch aues no so für Usdrück ggä het. Die, wo no gsunge u glachet hei bim Schaffe u de Froue nachepfiffe. Die, wo Chrüz u roti Hörner oder Peperoni a d Frontschybe vom Outo ghänkt hei, u we ne eine blöd cho isch, d Schybe abegchurblet hei u «Cornuto!» usegmögget. Eis vo de erschte frömdsprachige Schimpfwörter, won i glehrt ha, no ohni z wüsse, was es heisst. Eifach fasziniert hets, das härzhafte «Cornuto!».

Vor churzem han i d Chuehhorn-Initiative auso o ungerschribe gha u ne schuuregi Fröid, wo dä wehrhaft Buur im Bundeshuus ygfahren isch. I wünsche däm e Riiseerfoug, o wes bishär no nid so usgseht, aber drum ja hie no die Kolumne, für häufe z pickle. Im Ändeffekt hei mer scho über Blöders abgstimmt. Mir hets eifach bis i ds Härz yne wouta, wo dä Typ mit syre Wulechappe i di höchere Sphäre ynetschaupet isch u mau erklärt het, was Natur isch. Richtig handglismet, aber bodeständig, klar u dütlech. Inklusive Chuehschädu. I zieh der Huet! U massehaft Ungerschrifte – Bravo. Das isch Demokratie, wo läbt. Natürlech hei geng aui Argumänt pro u contra ihri Berächtigung.

Vor mängem Jahr han i o mau vom ne Fau ghört, wo ne Burefrou effektiv beidi Ouge verlore het, wäge Chuehhörner. Das isch extrem, klar, aber vermuetlech de doch öppe so säute, wi im dichte Waud vom ne Laschtwage übercharet z wärde. Item. Klar, si d Hörner d Waffe vo de Hornträger/inne, aber si hei die vo Natur us. Nid so wi mir mit em Victorinox oder Gröberem unger em Gilet oder im Handtäschli. U vor auem: Lue doch mau e Chueh a ohni Hörner. Di gseht doch eifach soublöd us! Di ganzi Chopfform isch eifach gmacht für d Hörner.

Chüeh u Munine sy doch eigentlech wunderschöni, super proportionierti Tier – u mir versieche se, lö se la doof u entwürdiget usgseh. Dass me sech überhoupt trout, so entsteuti Gschöpf uf d Weid usezla, mir aus zuenähmend grossi Aesthete, wo bi üs jedes Fäutli ufpouschtere. Chasch nid verglyche, scho klar, aber glych.

S isch haut im Zug vom Gäut- u Bequemlechkeitsdänke aues im Wäg, wo irgendwie u irgendwo chönnt Problem gä. Aber: Aues, was d Natur macht, het nach wi vor e Sinn. Nume wei mer das nid gseh. Me mues nid emau unbedingt e fanatische Tierschützer oder Hardcore-Veganer sy, für d Hörner vo de Chüeh z verteidige. We me de mau überhoupt kener Chüeh u Munine meh mit Hörner het u niemer meh weiss, was Hörner sy – gits de o kener Cornuti meh? Das wär itz no ne intressanti Frag. Nei du. Oder steu der üs mau vor, ohni Ohre. Scho nume ne Bitz wägg isch weniger schön.

Me cha sech o überlege, was me süsch no aues chönnt abschnäfle u usehoue, wo me nid unbedingt brucht. S geit o mit eire Niere, mit eim Lungeflügu, mit weniger Darm oder Mage, Blinddarm sowiso. Wyter abe rücken i itz nid, aber da gäng o no viles u so vo wäge Cornuti wärs sowiso z überdänke. Guet, ha da chly nes heikus Thema gnoh. Aber nachedänke macht glych nüt. We de no d Wüsseschaft derzue chunnt, wo seit, me chönn nid belege, dass d Hörner würklech nötig syge, de lüpfts mir der Huet.

Het scho mau öpper mit e re Chueh gschnuret? Mindischtens mit eire? S brüchti ja de no nes paar meh, für ne Studie würklech seriös dürezfüehre. Di bishäregi Studie chasch gloub nume mit em ne Chuehpflütter ungerlege. U dänket a d Folklore! Wo montiersch d Bluemechränz bim Aupabzug? Gseht doch vou dernäbe us, aues zäme. Trophäe us Hörner guubs de o nümm. U was tuesch für Reklame-Biudli uf Miuch, Schoggi u Chäs? Öppe Föteli vo so Pümi ohni Hörner? Geits eigentlech no? Da steit der ganz Stouz vom Land uf em Spiu, Helvetier! Da stöh mer aui aus Cornuti da. D Wikinger hei sech aube no Hörner uf ihri Heume montiert, wüu si so richtegi Giele hei wöue sy. Vilech vor luter Schiss vor dene Täg, wo eifach aues zäme uf ke Chuehhut geit oder e Chueh ir Luft isch. (Der Bund)

Erstellt: 13.10.2017, 07:06 Uhr

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