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Blochen hinter dem Eisernen Vorhang

Mit seinen Männerbildern aus der Rocker- und der Halb­starkenszene wurde Karlheinz Weinberger berühmt. Jetzt sind auch seine Sportfotos da.

Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Karlheinz Weinberger, courtesy Esther Woerdehoff
Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Karlheinz Weinberger, courtesy Esther Woerdehoff
Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Grosser Preis der DDR, Sachsenring, 19. August 1962.
Karlheinz Weinberger, courtesy Esther Woerdehoff
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Man kann es sich nicht mehr recht vorstellen, so einen Vollgaszirkus als Volksfest. In Bern in diesen Tagen sowieso nicht. Aber früher – 1962 zum Beispiel, auf dem Sachsenring, einem Strassenrundkurs bei Chemnitz, das damals noch Karl-Marx-Stadt hiess: der Grosse Preis der DDR, und am Start war auch der Schweizer Luigi ­Taveri mit seiner 125er-Honda.

Bis dahin hatte er mit vielen anderen Maschinen in vielen anderen Klassen wenig Erfolg gehabt. Lag es in der Luft, dass hier nun die grosse Zeit dieses Taveri anbrechen sollte, mit dem ersten von drei WM-Titeln?

Jedenfalls hatte die Zeitschrift «Satus Sport» ihren Fotografen aus Zürich hinter den Eisernen Vorhang geschickt, und da stand er jetzt mit der Kamera auf der Piste am Start, Karlheinz Weinberger, und Luigi ­Taveri sass vor ihm auf seiner Honda, mit der Startnummer 111, mit seinem Schnauz, mit seinem Schneid, und irgendwie ist es dann kein gewöhnliches Sportreporterfoto geworden.

Sondern ein schönes bisschen mehr als nur das. So wie die ganze Reportage jenes Tags im August: Mehr als das Rennen interessierten Weinberger die Leute. Die Fahrer, die Zuschauer, die Funktionäre. Die Männer.

Kein Wunder andererseits. Weinberger, in Zürich 1921 geboren und 2006 gestorben: Man bewundert ihn heute für seine Bilder aus den Milieus der Halbstarken, Schwulen und Rocker in der Nachkriegsära. Er war ein Nonkonformist der Fotografie, der die Kamera als Vermittlerin brauchte: Sie machte aus seinem Begehren Begegnungen. Und aus seinen Begegnungen Bilder.

Auch am Sport interessierten Weinberger allein Männersport­arten. Zugleich ist seine Sportfotografie bis heute wenig bekannt. Das Kornhausforum zeigt sie jetzt, zusammen mit den prominenteren Teilen seines Werks.

Wobei auch in den Aufnahmen von Schwingern und Ringern, Rennfahrern und Gewichthebern mehr steckt als eine private Obsession mit männlichen Kulten und Körpern: Darüber hin­aus erzählen auch sie von einer Suche nach Nähe. Und Schönheit. Nach einem anderen Leben, das damals, in jener durch und durch bürgerlichen Schweiz, umso kostbarer gewesen sein muss.

Kornhausforum Bern:Karlheinz Weinberger. Halbstark, schön und rebellisch. Fotografien 1950–1990. Bis 4. August.

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