«Wir hatten Bands aus fast allen Bereichen bei uns im Keller zu Gast»

Manuel Gnos über seine Jahre als Konzertveranstalter im Kairo und mangelnde Experimentierfreude beim Publikum.

Manuel Gnos hängt seinen Job als Konzertveranstalter im Kairo an den Nagel.

Manuel Gnos hängt seinen Job als Konzertveranstalter im Kairo an den Nagel. Bild: zvg/Urs Lindt

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Sie hängen nach zehn Jahren Ihren Job als Konzertveranstalter im Kairo an den Nagel. Haben Sie die Nase voll von der Kultur?
Nein, ganz und gar nicht! Ich möchte einfach wieder mehr Zeit für andere Dinge haben. Der Job als Konzertveranstalter ist phasenweise sehr zeitaufwendig, vor einem Gartenfestival kann er bis zu 80 Prozent und mehr beanspruchen.

Clubs und Veranstalter klagen oft über fehlendes Publikum. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Kairo-Dekade punkto Zuschauerschaft gemacht?
Während meiner Zeit hat das Kairo, grob gesagt, drei Phasen durchlaufen. Zu Beginn gehörten unsere Besucher zu einer Generation, für die Live-Konzerte eine grosse Bedeutung hatten und die bereit war, für Musik zu bezahlen. Diese «Konzert-Generation» kam dann aber ins Familien-Alter und blieb den Clubs immer öfter fern. In der folgenden zweiten Phase hatten wir deshalb mit teilweise sehr tiefen Zuschauerzahlen zu kämpfen. Es fehlte oft auch die Experimentierfreude beim Publikum. Wenn bekannte Namen auf dem Programm standen, war der Keller voll, musizierte aber eine unbekannte Band, kamen manchmal nur zehn Zuschauer oder weniger. In der dritten Phase haben sich die Zuschauerzahlen wieder erholt. Das hat einerseits damit zu tun, dass die direkte Konkurrenz kleiner wurde, weil einige Clubs verschwanden oder sich musikalisch in eine andere Richtung orientierten. Andrerseits haben wir auch die Früchte einer konsequenten Programmierung geerntet.

Und wie hat sich der Umgang mit den Künstlern verändert?
Der direkte Umgang mit den Bands hat sich nicht geändert. Es waren meistens sehr herzliche Begegnungen. Nur der Altersunterschied wurde immer grösser. Und heute läuft im Vorfeld alles digital, während ich in den Anfängen regelmässig einen Migros-Sack voll CDs nach Hause geschleppt habe. Zudem gab es eine gewisse Professionalisierung. Praktisch alle Bands arbeiten mittlerweile mit Agenturen. Selbst die neuen Bands, die ihre ersten Konzerte spielen, haben oft schon einen Agenten – meines Erachtens nicht immer zum Vorteil der Bands.

Viele Clubs fahren ja heute ein kuratiertes Programm und halten so das Stammpublikum bei Laune. Welchen musikalischen Stempel haben Sie dem Kairo in den letzten zehn Jahren aufgedrückt?
Wir hatten Bands aus fast allen Bereichen bei uns im Keller zu Gast. Gewisse Genres habe ich allerdings etwas stiefmütterlich behandelt oder bewusst weggelassen. Das hat einerseits mit dem Raum zu tun – eine sechsköpfige brettharte Metal-Band zum Beispiel hätte den Rahmen gesprengt. Es waren natürlich vor allem Kombos, die mir gefallen. Schliesslich ist das eine Herzensangelegenheit, hinter der man stehen muss – darunter waren viele Americana-Bands, Blues-Trash und neuer Pop.

Wo wird es Manuel Gnos nun hinverschlagen? Bleibt er der Kultur treu?
Ich freue mich darauf, mehr Freizeit und mehr Zeit für unser Bed & Breakfast Im Klee zu haben, in dem wir ja auch oft Kulturschaffende beherbergen. Zudem arbeite ich ab August für Newsroom Communication, wo ich vorrangig Kunden aus dem Kulturbereich betreuen werde. Und wer weiss, vielleicht nehme ich auch mal wieder ein paar Gitarrenstunden.

«Vielleicht nehme ich auch mal wieder ein paar Gitarrenstunden.»

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 beherbergt das Café Kairo auch ein farbenfrohes Konzertlokal. Pro Jahr werden bis zu sechzig Konzerte im knapp neunzig Leute fassenden Keller veranstaltet. «Diese Konzerte können nur stattfinden, weil Betreiberin Trine Pauli ein grosses Herz für die Kultur hat und mit Geld aus dem Gastrobereich das Kulturprogramm ermöglicht», sagt Manuel Gnos. Der 44-jährige Journalist und Mitbetreiber eines Bed & Breakfast war in den letzten zehn Jahren zuständig für das musikalische Programm im Kairo-Keller und an den Gartenfestivals. Sein Amt übergibt er nun an Moritz Wolf, am Fr, 27.5., um 21 Uhr, wird mit The Pussywarmers & Réka zuerst aber noch gehörig gefeiert. (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2016, 08:17 Uhr

Manuel Gnos

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 beherbergt das Café Kairo auch ein farbenfrohes Konzertlokal. Pro Jahr werden bis zu sechzig Konzerte im knapp neunzig Leute fassenden Keller veranstaltet. «Diese Konzerte können nur stattfinden, weil Betreiberin Trine Pauli ein grosses Herz für die Kultur hat und mit Geld aus dem Gastrobereich das Kulturprogramm ermöglicht», sagt Manuel Gnos.
Der 44-jährige Journalist und Mitbetreiber eines Bed & Breakfast war in den letzten zehn Jahren zuständig für das musikalische Programm im Kairo-Keller und an den Gartenfestivals. Sein Amt übergibt er nun an Moritz Wolf, am Fr, 27.5., um 21 Uhr, wird mit The Pussywarmers & Réka zuerst aber noch gehörig gefeiert.

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