Ladies and Gentlemen...

Vor einem Jahr ist die «Republik» gestartet. Zum Jubiläum eine parodistische Würdigung im Stil des Online-Magazins.

Das Manifest der «Republik» am Redaktionssitz im Hotel Rothaus in Zürich.

Das Manifest der «Republik» am Redaktionssitz im Hotel Rothaus in Zürich.

Philippe Zweifel@delabass

Ladies and Gentlemen der «Republik»

In unserer Branche ist es wie in der Liebe: Es gibt langfristig nur Opfer.

Doch jede grosse Katastrophe hat ihr kleines Wunder. Vor einem Jahr sind Sie angetreten, dieses zu schaffen: Die Rettung des Journalismus. Vor Grosskonzernen, vor Clickbait-Fallen.

Nun: Es gibt keinen schlechten Whiskey, sagte Raymond Chandler. Es gibt nur Whiskeys, die nicht so gut sind wie andere. Wo Sie recht haben: ohne Journalismus keine Demokratie. Ohne Demokratie keine Freiheit. Ohne Freiheit keine Menschheit. Ohne Menschheit keine ... Sie verstehen schon.

Die meisten Leute werden lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet. Deshalb sind wir direkt: Die «Republik» schickt «Expeditionsteams» in die Wirklichkeit – um die Wahrheit aus der Wahrnehmung zu schälen. Doch es gibt zwei Arten von Wahrheit: die Wahrheit, die den Weg erhellt, und die Wahrheit, die das Herz erwärmt.

Sie haben bisher vor allem das Herz erwärmt. Trotz der vielen Schwarzweissbilder auf Ihrer Website.

Dass so viele Abonnenten erneuert haben – Respekt. Das hätten wir nicht gedacht. Man vertraut einem Junkie kein Geld an. Man vertraut niemandem mit harten Bedürfnissen Geld an. So kommt diese Gratulation mit einer Verpflichtung: Wenn die Demokratie untergeht, dann sind Sie schuld.

Das war es schon. Das heisst: fast.

Wir müssen auch über Ihr Feuilleton reden: Frakturschrift würde diesem gut stehen. Aber lassen wir das. Dass bei Ihnen keine Werbung nervt, ist famos. Die fixen Gefässe sind originell. Ebenso einzelne Artikel. Mehr Aktualität, weniger Big Picture? Mehr Witz, weniger Weltuntergang? Gerne.

Wir wünschen Ihnen einen erkenntnisreichen Tag.

PS: Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten noch bewohnbar. Nach dem dritten nicht mehr zu finden.

PPS: Obiges Zitat ist nicht als Prophezeiung zu verstehen. Es tönt einfach gut.

PPPS: Ein mieser Schluss. Aber es gibt keine wirklichen Enden. Das sind nur die verdammten Orte, an denen man einen Text beendet.

PPPPS: Hat auch nicht hingehauen. Noch ein Versuch: Viel Glück fürs zweite Jahr!

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