Kennen Sie Obermutten?

Hintergrund

Schweizer Werber haben es geschafft, dass auf fünf Kontinenten über ein verschlafenes Bündner Bergdorf berichtet wurde. Dafür gab es dann auch den begehrtesten Preis der Branche.

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Christian Lüscher@luschair

16'000 Fans hat das Bündner Bergdorf Obermutten auf Facebook. Zudem ist auch praktisch jede Scheune mit den Profilen dieser Fans zugepflastert. Warum? Das kleine Walserdorf hoch über der Schinschlucht startete auf Facebook eine Aktion der ungewöhnlichen Art. In einem Video auf der Seite gab der Gemeindepräsident des Dorfes ein Versprechen ab: Jeder, der auf den «like»-Knopf klicke, komme mit seinem Profilbild an die offizielle Anschlagwand des Dorfes.

Ein Bündner Bergdorf wird weltbekannt

Kaum war das Video online, war die Wand zugepflastert mit ausgedruckten Profilseiten der Fans. Um den Andrang der Fananfragen zu bewältigen, wich man auf Stallwände im Dorf aus. Schnell wuchs die Anhängerschaft in die Tausende. Das Versprechen sprach sich weltweit herum. In mehr als 20 Ländern auf fünf Kontinenten haben Fernseh- und Radiostationen, Zeitungen und Onlineportale über das kleine Bergdorf berichtet.

Letzten Sonntag erhielt die Werbeagentur Jung von Matt dafür einen goldenen ADC-Würfel. Der ADC ist die wichtigste Instanz in Sachen Werbung. Alljährlich zeichnet der Club, zusammengesetzt aus den führenden Kreativen der Schweiz, das Beste der helvetischen Werbung aus. Kreative, die sich im ADC behaupten, eröffnen in der Regel ihre eigenen Werbebüros. Dekorierte Agenturen gelten jeweils für eine gewisse Zeit als «heiss» und begehrt.

Preise für bekannte Marken

Ebenfalls mit Gold wurden drei andere Werbekampagnen ausgezeichnet. So erhielten eine Anzeige von Fleurop, ein Inserat von Hakle und eine Kampagne des Versicherers Swiss Life je einen goldenen Würfel (siehe Bildstrecke). Auffallend ist, dass in diesem Jahr viele Arbeiten für grosse Unternehmen und Marken ausgezeichnet wurden. Und noch etwas scheint im Trend zu sein: Swissness. Das Schweizer Kreuz und die Rückbesinnung auf Schweizer Grundwerte scheinen bei Werbern äusserst beliebt zu sein. Berge, Bauern und Käse waren 2011 ein beliebtes Stilmittel der Kreativen. Und so stand die Preisverleihung am Sonntag auch unter dem Motto «Swiss Made World Class».

Auch wenn das Niveau der Schweizer Werbung von der hiesigen Branche als hoch beurteilt wird, ein Wermutstropfen bleibt. In Sachen Werbefilm tun sich die Schweizer Kreativen schwer. Keiner der eingereichten Spots erhielt in diesem Jahr die höchste Weihe. Von den 73 Arbeiten, die eingereicht wurden, schafften es in der Vorselektion zwar 15 auf die sogenannte Shortlist, von der jeweils die prämierten Spots ausgewählt werden. Edelmetall wurde nur an sieben vergeben, Gold gar nicht.

Das bestätigt einmal mehr, dass der Werbespot nicht die Stärke der Schweizer Werbeindustrie ist. Als einziges Highlight in der Film Kategorie gilt ein Spot für Schweiz Tourismus. Darin sagte der Muotathaler Wetterprophet Martin Horat anhand von Ameisen den Schweizer Winter voraus.

War die Ausbeute an hervorragenden Fernseh- und Radiospots in diesem Jahr dürftig, räumte die Printwerbung, eine Spezialität der Schweizer Werber, gross ab. Gut möglich, dass die Hauptgewinner auch im internationalen Umfeld für Aufsehen sorgen werden.

DerBund.ch/Newsnet

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