Ich habe es immer gewusst

Als niemand mehr an Roger Federer geglaubt hatte, hielt jemand zu ihm.

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Jetzt, da unser Champ sicher in Kloten gelandet ist und Mirka die 18.(!) Grand-Slam-Trophäe sorgfältig in die Vitrine zu den 17 (!) anderen gestellt hat, jetzt kann ich es laut sagen: Ich habe immer an ihn geglaubt. Im Gegensatz zu all den Neidern, Nörglern und Sportjournalisten, den sogenannten «Experten».

Als unser Maestro im Herbst humpelte wie der Glöckner von Notre Dame, da war mir bereits sonnenklar: He will be back. Er würde am Australian Open alle wegfegen und seinen 18.(!) Grand Slam holen. Ich war geradezu euphorisch – innerlich. Ich liess mir aber nichts anmerken, sagte vielmehr allen, die es hören wollten: «Er wird nie mehr sein früheres Niveau erreichen.» Ich fühlte mich gut dabei, denn der King und ich teilten ein Geheimnis. Ich wollte nicht, dass er zum 100. Mal ins Sportpanorama eingeladen und neben Matthias Hüppi seinen Optimismus versprühen würde. Ich bestärkte mein Umfeld also in seiner Skepsis und dachte zugleich: Wie oft habt ihr ihn schon abgeschrieben! Als er das Fieber bekam. Als Nadal ihn ständig in die Pfanne haute. Als er über Stachowsky stürchelte.

Ich aber wusste: «The winners, they always come back.» Ich war fest an Fedis Seite. Als die Australian Open endlich begannen und unser Fedex ins Rollen kam, dämpfte ich die Erwartungen. Ich sagte meinen Kollegen: «Okay, er hat Noah Rubin geschlagen. Aber wer ist Noah Rubin?» Wäre ja noch schöner, wenn die wegen eines Tipps von mir Wetten gewinnen. Dann kam der Berdych-Match. «Der Tscheche ballert ihn von der Grundlinie weg», sagte ich kennerisch. Ich hasse es, Teil einer kollektiven Euphorie zu sein, so was galt es unbedingt zu verhindern. Sie verstehen, was ich meine. Als unser Filzball-Tell dann gegen den Welschen Stanislas Wawrinka antrat, erklärte ich: «Wawrinka ist Stan, der Marathon-Mann. Über fünf Sätze hat der den längeren Atem.» Umso schöner war danach der Glanz, der unseren GOAT umgab. Es kann nur einen geben!

Als das Finale gegen den Bullen von Mallorca anstand, wurde ich nervös. Ich wollte nicht, dass unsere Backhand-Gazelle ihr Underdog-Momentum verlor. Rotschi ist auf Social Media, der bekommt das alles mit. Deshalb sagte ich: «Nadal ist seine Nemesis. Das wird wieder Tränen geben.» Ich brachte sogar ein hämisches Lachen hervor. Als der Sugar Daddy of Swissness dann die finale Vorhand auf die Linie zauberte, der Matchball also realisiert war, stand ich vom Sofa auf und ballte die Faust. Ich sagte laut: «Er hat es geschafft.» Und ich hatte natürlich recht.

P.S.: Für den Rest des Jahres sehe ich leider schwarz. In wenigen Wochen beginnt die Sandplatzsaison, da hat er eh keinen Stich. Und danach ist sein Körper nicht mehr fit genug. Ich meine, der Mann ist bald 36. Er sollte wirklich langsam ans Aufhören denken.

Umfrage

Die Frage nach dem 18. Major-Triumph: Zu welchem Lager gehörten Sie vor dem Australian Open?




Video – der Final-Sieg von Melbourne:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.02.2017, 10:53 Uhr

Bildstrecke

Grosser Empfang für Federer

Grosser Empfang für Federer Nach seinem 18. Grand-Slam-Triumph wurde der Schweizer in Kloten von hunderten Fans empfangen.

Das war der schönste Punkt des Finals. (Video: SRF)

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