Gurtenfestival für Festivalpreis nominiert

Das Berner Musikfestival kämpft mit anderen internationalen Anlässen um die Krone Europas. Pikantes Detail: Festival-Leiter Philippe Cornu sitzt in der Geschäftsleitung der Dachorganisation, die diesen Preis verleiht.

Philippe Cornu und sein Gurtenfestival sind für die «Europe Festival Awards» nominiert.

Philippe Cornu und sein Gurtenfestival sind für die «Europe Festival Awards» nominiert.

(Bild: Valérie Chételat)

Zu Wochenbeginn verkündeten die beiden Berner Open-Airs Greenfield Festival und Gurtenfestival, dass sie für den European Festival Awards in der Kategorie Festivals mittlerer Grösse nominiert sind, die zwischen 10‘000 bis 39‘999 Zuschauer anlocken. Das Gurtenfestival stellte den Anlass im vergangenen Sommer zum 31. Mal auf die Beine.

Festivalleiter Philippe Cornu zeigt sich erfreut, dass sein Festival im Rennen um den Preis dabei ist: «Wir haben bereits 1998 an der International Live Music Conference (ILMC) den Preis in der Kategorie ‹bestes Festival› erhalten. Dieser hat uns enorm geholfen», sagt er. So habe man sich von der Masse abheben können und sei für Musikagenturen interessant geworden. Solche Awards helfen den Veranstaltern, namhafte Künstler verpflichten zu können.

Recherchen haben ein interessantes Detail zum Vorschein gebracht: In der Dachorganisation, die den Award verleiht, ist Cornu ein Teil der Geschäftsleitung. Entsteht da kein Interessenskonflikt? «Nein, wir von der Geschäftsleitung haben keinen Einfluss auf den Ausgang der Preisverleihung», sagt Cornu. Die Dachorganisation «The European Festival Association» (Yourope), organisiere lediglich den Anlass.

Der grosse Bruder

Um das zu garantieren, wurden mehrere Hindernisse aufgestellt: Zunächst muss man sich als Festival bewerben und bestimmte Kriterien erfüllen, um aufgenommen zu werden. Danach entscheiden die Fans in ganz Europa per Online-Abstimmung, wer in die Runde der letzten zehn weiterkommt. Aus diesen zehn werden dann am 14. Januar am Eurosonic Festival im holländischen Groningen von einer Jury, die nicht Teil der Organisation ist, die Gewinner erkoren.

Wie sehen die Chancen für das Gurtenfestival aus? «Die Konkurrenz ist erdrückend gross», sagt Cornu. Deshalb wäre er schon froh, wenn sein Festival unter den besten zehn der Kategorie landen würde. Aus diesem Grund versuche man über die bekannten soziale Medien viele Fans zum Abstimmen zu bewegen. Auch ausserkantonale Festivals sind in derselben Kategorie nominiert. Dabei sieht Cornu das Paléo Festival als grossen Favoriten an. «Dieses Festival war seit Jahren unser Vorbild und sozusagen unser grosser Bruder», sagt Cornu. Nun habe man aber nach 31 Ausgaben eine eigene Identität.

Auftrumpfen mit dem Award

Die Agenten der Bands erhalten jährlich per Mail unzählige Anfragen von Veranstaltern aus der ganzen Welt. Deshalb sei es wichtig, jene persönlich zu treffen. «Wir fliegen jedes Jahr im Dezember nach London, um die Agenten zu treffen», sagt Cornu. Man spreche hauptsächlich über Bands. Am Abend gehe man dann an ein Konzert oder suche ein nettes Restaurant auf und verbringe mit ihnen eine gute Zeit.

Auch hole man die Agenten nach Bern und zeige ihnen vor Ort, wie der Anlass über die Bühne gehe. «Beispielsweise bei der letzten Ausgabe war der Agent von Coldplay vor Ort und hat das Festival live miterlebt», sagt Cornu. Das heisse zwar nicht zwingend, dass nächstes Jahr Coldplay am Festival spielen würden. So habe man sich aber mit Sicherheit «eine bessere Ausgangslage geschaffen», falls es zu Verhandlungen kommen sollte. Es schadet also sicher nicht, wenn man als Veranstalter noch mit einen «prestigeträchtigen Award auftrumpfen kann».

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt