Grounding für alle

Fliegen zum Spass liegt nicht mehr drin. Eine Polemik.

Hier könnten wir CO2-Emmissionen schmerzlos einsparen: Flugzeug im Landeanflug.

Hier könnten wir CO2-Emmissionen schmerzlos einsparen: Flugzeug im Landeanflug. Bild: Keystone

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In den 1920ern wurden in Europa die ersten Verkehrsampeln eingeführt. Ohne Ampeln rammen sich Autos öfters, oder sie überrollen die Fussgänger. Deshalb Ampeln. Deshalb das Verbot, bei Rot zu fahren, zu laufen, zu überqueren. Der Preis, den wir ohne dieses Verbot zu zahlen hätten, wäre zu hoch.

Knapp hundert Jahre später wird ein neues Verkehrsverbot nötig. Das Verbot, privat zu fliegen. Weiterfliegen wie bisher kommt uns schlicht zu teuer zu stehen. «Ein Flug nach Australien und zurück entspricht dem gesamten CO2-Ausstoss eines durchschnittlichen Schweizers in einem Jahr», rechnet Reto Knutti vor. Knutti ist Klimatologieprofessor der ETH. Geschätzte 15 bis 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses der Schweiz seien Luftfahrtemissionen, so Knutti.

Am Freitag geht die Klimakonferenz von Katowice zu Ende. «Die Welt brennt», sagte eine WWF-Vertreterin. Heisse Sommer, brutale Regenfälle, instabile Wettersysteme: Die globale Aufheizung hat konkrete Folgen. Dass sich das Klima unseretwegen wandelt, ist nicht mehr zu bestreiten. «Jedes bisschen Erwärmung macht einen Unterschied», sagte ein Mitglied des Weltklimarats in Katowice.

Australien ist eine Reise wert, klar: schroffe Landschaften, possierliche Tiere. Doch der ökologische Preis ist mittlerweile schlicht zu hoch dafür. Liegt nicht mehr drin, sorry. Künftig per Virtual Reality.

Es betrifft alle gleichermassen

Der bisher gepredigte freiwillige Verzicht hat wenig gebracht. Dafür gabs hämische Kommentare, wenn ein ansonsten redlich bemühter Grüner beim Fliegen «erwischt» wurde. So ein Verbot wäre doch eine Volksinitiative wert, liebe Grüne.

Aber haben nicht die Gelbwesten gerade Macrons Benzinverteuerung in Grund und Boden gestampft? Ist nicht just diese Woche eine bescheidene Flugpreisverteuerung im Schweizer Parlament durchgefallen?

Die Krux solcher Verteuerungen ist offensichtlich. Sie benachteiligen jene, die aufs Geld schauen müssen. Den Reichen sind sie egal.

Ein Verbot ist fair, weil es alle gleichermassen betrifft. So ein Verbot wäre doch eine Volksinitiative wert, liebe SP.

Wettbewerbsfähigkeit gewahrt

Beim jüngsten Klima-Gemurkse in Parlament wurde seitens FDP und SVP fast immer mit einer bedrohten Wirtschaft argumentiert. Wenn sich die Schweiz zu sehr um den Klimaschutz kümmere, gefährde sie ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Doch keiner muss am Hungertuch nagen, bloss weil Spassflüge untersagt werden. Das Flugverbot gilt nur für Private, nicht für Geschäftsreisen. Die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit bleibt gewahrt. So ein Verbot wäre doch eine Volksinitiative wert, liebe FDP.

Jedes Jahr transferiert der Flughafen Zürich knapp 30 Millionen Personen. Einige würden wegen des Verbots den Zug oder das Auto nehmen. Oder auf deutsche und französische Flughäfen ausweichen (so lange, bis wir kopiert werden von den Nachbarn, die ebenfalls mit ihrem CO2-Ausstoss ringen). Und Tausende würden wegen des Verbots hierzulande ihre Ferien verbringen, bei uns ihr Geld ausgeben. Swiss Holidays First.

So ein Verbot wäre doch eine Volksinitiative wert, liebe SVP.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.12.2018, 14:15 Uhr

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