Fiesmann

«Mundart»-Kolumnistin Sarah Elena Müller glaubt, dass Fielmann sich das Handicap seiner Kunden zunutze macht.

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De fascht blind Mensch hett sich deheime no nid allzu schlecht gfühlt, hett noch es biz Scheel id Haar gstriche und extra es früsches Hemp aazoge. Aber scho am Bushalt het de fascht blind Mensch en Grossteil vo sinere Aafangsfrüschi verlore, will er hett nid genau xee uf de LED-Tafele, dass de nögschti Bus erst in zehn Minute chunnt, und isch mega hereghetzt.

Spätestens, wo er d Fielmann-Filiale betrete het, isch es em fascht blinde Mensch nümm eso guet gange. Er het en Blick in guet belüchtete Spiegel gworfe und verschwumme xee, dass er sich en Püggel het ufgchräblet zmitz uf de Nase, im Bus vermuetlich, vor Nervosität. Unwohl rutscht er ufem Stuel ume und wartet uf d Bedienig, wo isch go passedi Brillemodell sueche. Unuffällig schmöckt er an sim Hemp. Es schmöckt nach Suppe und Füürli.

De Glanz und die regi Gschäftigkeit i dem Etablissement kontrastieret unguet mit em fascht blinde Mensch. Er fühlt sich wie en Filzwullezwerg. Warum chan er nid au mal glänze, und zwar nid nur i sinere Fantasie, wos niemert xet? Sobald er us em Huus gaht, fühlt er sich schmuddelig und erschöpft. Egal wie, egal wenn, egal wo here. Mengmal langt scho de Gang zum Briefkaschte – de fascht blind Mensch oxydiert a de Luft, und wenn er d Post fertig studiert het, isch er scho fascht verdorbe.

D Bedienig chunt zrugg as Tischli und präsentiert guet gluunt d Brillemodell. Sie selber schiint kei Problem z haa mit Verwitterig und strahlet hinter ihrer moderate Korrektur füre. Sie büütet em fascht blinde Mensch es Tüechli ah, damit er cha die verchräblet Nase abwüsche. Er probiert di verschiedene Brille. Er xeet nüt. D Bedienig isch begeischteret und hebt ihm en Handspiegel dicht vor s Xicht. Es paar randlosi Farbflecke und es drückends Gfühl uf em Naserugge. Staht Ihne hervorragend, findet d Bedienig.

Sie rechnet eifrig mit Zahle. Also die Brillegläser siner Stärki vo de billigste Kategorie wäred an de dickste Stell öppe zehn Millimeter breit, und sie zeigt beschwörend mit de Finger, viel sig das! Da würd er besser uf s tüürere Kunststoffglas uswiiche. Will richtigs Glas sig zwar günstiger, aber ebe Glas, das sig schwer, und er hegi ja en recht zierliche Naserugge, den würd denn vilicht s Gwicht vo de Brille iidrücke.

Niedergschmetteret luegt de fascht blinde Mensch uf d Zahle. Schliesslich siged denn dafür d Reinigunge und Reparature gratis und ganz und gar im Service iibegriffe, flötet d Bedienig. Schweren Herzens steckt de fascht blind Mensch sis Kärtli in Automat und seit Ufwiederluege zunere ziemliche Summe.

So billig krieged Sie das süscht nienets!, frohlockt d Bedienig und rupft routiniert d Quittig usem Automat. Das gits nume bi Fielmann. Unschlagbar. De fascht blind Mensch murmlet öppis vo aber uf em Plakat sig doch gross lesbar gstande Tiefpreis. Jajaja, nickt d Bedienig, Fielmann hät ja au die absoluti Tiefpreisgarantie, sprich sötti de fascht blind Mensch bi eme andere Optiker s gliiche Produkt billiger xee, denn bechäm er de volli Priis rückerstattet. Aber mer mües das denn natürli belege.

De fascht blind Mensch überleit, wie oft dass es vorchunnt, dass en fascht blinde Mensch, wo e noii Brille brucht nach dere lässige Beratig voller Freud no s nächste aalglatte Optikergeschäft betritt, zum döt vilicht, falls er sie trotz minus acht Dioptrie würd erkenne, die exakt gliich Sehhilf es paar Franke billiger erstah.

Und es beschliicht ihn de Verdacht, dass sich d Werbeabteilig vom Fielmann uf bsunders fiesi Art und Wiis s Handicap vo sine sehschwache Kunde und Kundinne zunutze macht. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2018, 07:14 Uhr

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