Chume nid nache

«Mundart»-Kolumnistin Renée Maria Bellafante findet die Einsamkeit etwas schwieriges. Warum nicht einfach abschaffen?

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Es Wort, wo n i bis itz nid verstange ha: Einsamkeit. Ds Ängland errichtet me es Minischterium für Einsamkeit, u ds Dütschland würd me das o begrüesse – vilech isch me scho dranne, has nid wyter verfougt. De geits am Änd hie o nümm lang. Ha nume gmerkt, dass es mer Hühenerhut der Rügge ab gjagt het, won i das gläse ha. Näb däm, dass i ha müesse grinse, wüu s mi, wenn de scho, logischer würdi dünke, me miech es Minischterium gäge Einsamkeit, nid für.

Aber das sy wider Finesse. I frage mi eifach einisch meh, wi pervers mer eigentlech sy. Mache aues cheuter u technischer u gränne wäge Einsamkeit. Verbanne aui Müglechkeite, wo me no chly i ds Gespräch chäm, i ds Nirvana u möffele när ume, dass kene meh mit enang redt. Dernäbe wird gschnöret u plöiderlet non stop u uf aune Kanääu, aber me isch einsam.

Guet, vilech ischs grad wäge däm. Aui schnure, kene lost. S git Hunderti vo Agebot, Konzärt, Chino, Theater, Usstellige, Chiuche, Fahrdienschte, Spitex, Telefon,Vereine, Bsuechsdienschte: nützt offebar nüt. S het mi scho geng tschuderet, we mes vor Einsamkeit im Auter het gha. S het mi dünkt, das sig es Woustandsproblem. Itz es äxtranigs Minischterium. Mir es Mischterium. Aber vilech chönnt i mi bewärbe. Me sött ja geng so schaffe, dass me syni Steu obsolet macht – das brungti gloub häre.

Itz riskieren i, dass i mer jedi Mängi Finde mache, aber: Isch Einsamkeit nid meh es Problem, wo me denn het, we me kes oder zweni Inneläbe het? Quasi nie glehrt het, allei z sy? Sich mit sech säuber u der Lääri u Stiui z befasse? Uf kene zue geit? We me ds Gfüehl het, di angere syge für eim sys Läbe zueständig? Me chönn o no das abdelegiere a ds Umfäud? Mües nüt säuber derzue tue? Allei sy. Sicher. Immer wider mau u vermuetlech im wyterschrytende Auter immer mau meh – aber einsam? Isch mer jedefaus o i x Gespräch mit Lüt nid klar worde, was das isch.

Vor auem, wüus mi dünkt het, die, wos so formuliere, syge usgrächnet die, wo durend irgendwo öppis am Loufe heige. Teu chönntisch jede Tag bsueche u si würde sech geng no aus einsam bezeichne – aber äbe, die chönntisch bespasse bis zum Abwinke, u es wär vermuetlech geng no ds Glyche.

U angeri säge: Ja, bi scho viu allei, aber das isch haut so. U die fröie sech de meischtens o, we hie und da mau öppis louft, u gniesse das. Einsam chan i mir nume denn vorsteue, we d zum Bischpiu znacht uf der Strass agcharet wirsch u ligsch dert u kene hiuft der. Kene chunnt verby oder hautet a. Oder Robinson, vilech. Merke grad: Ha wider ganz es doofs Thema gwäut. Aber es beschäftiget mi eifach, dä Ydruck, dass teu nume no d Schoggisyte vom Läbe wette, u für e Räschte si di angere zueständig.

Äbe ds Minischterium. Wi viu Lüt steut me sech vor, dass de i däm sötte wärche? U wie? No meh Aagebot mache? Vo Hus zu Hus gah u frage, wär einsam isch? Wüu die, wo sech aus erschts würde mäude, sys de mau sicher nid. Das isch wi mit em Armsy. Die, wo z ersch quiitsche, si nid die, wos ne am strübschte geit. Chürzlech het i der Lokaupress öpper zu däm Thema gschribe. Dä hets gloub o gstruusset ab der Ussicht uf so nes Minischterium, u das het mi de chly beruhiget.

Wüu, mängisch hesch ja der Ydruck, sigsch dernäbe, we d öppis eifach nume blöd fingsch. Mir hei e churze Ustusch gha u du gfunge, mir wöue uf ds Auter so richtegi Giftzähn oder «Grantler» wärde, wo um sech bysse u tüe wi d Söi, we me mit Zwangsungerhautig uf se zue chäm.

Item. Vilech chönnt me o eifach ds Wort abschaffe. Het mit «Frölein» oder «Neger» o funktioniert. Aui Problem glöst. Nid? Hie no ne Spontan-Värs:

Ein armes, kleines Petersil zieht einsam durch die Nacht

Voll Jammer und ganz ohne Ziel hats auch den Tag verbracht.

Das Ministerium greift nun ein und hackt es kurz und klein –

das arme kleine Petersil kann doch ganz schmackhaft sein!

Der Bund

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