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Wir präsentieren jede Woche einen Kulturschnipsel. Erkennen Sie, was dahintersteckt?

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Mit Kultur lässt sich gut angeben – auch wenn man ein Werk oder einen Künstler gar nicht richtig kennt. Wir drehen den Spiess um: Erkennen Sie anhand des Schnipsels, um welchen Text, Film, Song oder welches Kunstwerk es sich handelt?

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Um den Rätselspass zu bewahren, schalten wir die Antworten erst in ein paar Tagen online. Die Lösung wird jeweils nach einer Woche mit der neuen Aufgabe zusammen bekannt gegeben.

Die Lösung der letzten Woche: Der Ausschnitt stammt aus dem Gedicht «Prometheus», geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe zwischen 1772 und 1774. Die Hymne fällt in die Epoche des Sturm und Drang.

So ist das Gedicht denn auch nicht als Lobeshymne zu verstehen, sondern eher als ein Protest gegen die Götter. Die Kritik an überholten Autoritäten ist typisch für Sturm und Drang. Im Gedicht ist Prometheus der Meinung, Zeus möge sich nicht so aufregen, dass er – Prometheus – ihm das Feuer gestohlen hat (für die Menschen, nicht für sich selbst). Sowieso habe er – wieder Prometheus – die Menschen zu dem gemacht, was sie sind, und nicht Zeus. Das Gedicht ist also eine Art Loblied von Prometheus auf sich selbst.

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft
An Eichen dich und Bergeshöhen!
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehen
Und meine Hütte die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wusste, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu geniessen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

Quelle: Kalliope

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2018, 14:19 Uhr

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