Die Zukunft im Noppenanzug

«Wahrheit»-Kolumnistin Xymna Engel über das Potenzial moderner Technik und Noppenanzügen in der Filmproduktion

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Xymna Engel

Was hätte die Karriere von James Dean wohl für Wendungen genommen, wäre er 1955 nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen? Vielleicht würde er heute, mit 88 Jahren, Werbung für E-Zigaretten machen. Oder, was wahrscheinlicher ist: Er hätte in den 80ern nach einem Interview über seinen neuen Kinofilm (eine Liebeskomödie mit Meg Ryan) zum hundertsten Mal die Frage beantworten müssen, wie sich für den Prototypen des jungen Rebellen das Alter so anfühle. Und danach entschieden, sich ab sofort nur noch seiner Black-Angus-Rinderzucht zu widmen.

Zum Glück haben die Mutmassungen nun ein Ende: Es wird einen neuen Film mit James Dean geben. Die Dreharbeiten für «Finding Jack», in dem es um den Vietnamkrieg geht, sollen schon bald beginnen. «Nach Monaten der Recherche» hätte man sich für Dean entschieden, so Anton Ernst, Co-Produzent des Films. Vorsprechen musste Dean dafür jedoch nicht. Alles, was es brauchte, war die Zustimmung der Familie. Das Unternehmen Magic City Films nutzt alte Filmaufnahmen und Fotos, die «Magic» vollbringt dann die Technik CGI (Computer Generated Imagery): Ein Mann im Noppenanzug übernimmt den Part des Körpers, ein anderer ist für die Stimme zuständig, und Deans Gesicht wird am Schluss einfach digital auf den Noppenkörper gepflanzt.

Dass man sich ausgerechnet für Dean entschieden hat, um ihn von den Toten zurückzuholen, ist gar nicht so abwegig. Schliesslich erhielt er drei Jahre nach seinem Tod noch mehr Fanpost als jeder andere Hollywood-Star. Und sein Instagram-Account zählt derzeit 183000 Follower. Ausserdem sagte der Chef der Produktionsfirma, Mark Roesler, er sei zuversichtlich, dass Dean diesen «modernen Akt der Rebellion» unterstützen würde. Schieben wir also alle Bedenken über die «digitale Leichenschändung» beiseite und versuchen, die Chancen zu sehen.

Michael Jackson könnte in der Sendung von Markus Lanz endlich ein paar Dinge richtigstellen.

Würde das Beispiel Schule machen, müsste sich in Hollywood keine Frau mehr Botox-Behandlungen unterziehen, denn ab einer gewissen Popularität (zum Beispiel ab 183000 Followern bei Instagram), könnte das digitale Ich den Job übernehmen. Die Schauspielerin selbst könnte derweil zu Hause mit unrasierten Beinen auf dem Sofa sitzen und sich «SpongeBob Schwammkopf» anschauen.

Und wer da sonst noch alles aus dem Grab steigen könnte: Marilyn Monroe würde doch prima in eine Kochsendung passen, Albert Einstein würde seine eigene Late Night Show bekommen, und Michael Jackson könnte in der Sendung von Markus Lanz endlich ein paar Dinge richtigstellen.

Und wer weiss, vielleicht lässt sich dieses Prinzip in Zukunft ja auch umkehren, und wir können Filmfiguren Fleisch und Blut werden lassen – natürlich nur die guten. Dann fliegen Superman, Spiderman und wie sie alle heissen bei uns durch die Luft und machen endlich ihren verdammten Job: unsere Welt retten.

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