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«Die Sache mit den Zahlen ist ein absurder Streit»

Gäste aus Nazi-Deutschland: Joseph Goebbels (Mitte) und Aussenminister Freiherr von Neurath (rechts) in Genf an einer Versammlung des Völkerbunds. (Aufnahme vom Oktober 1933)
Blutige Auseinandersetzungen: Bei einer antifaschistischen Kundgebung töteten Rekruten der Schweizer Armee in Genf 9 Demonstranten, weitere 65 wurden verletzt. (Aufnahme vom 9. November 1932)
Kriegsikone: Anne-Marie Blanc im Film «Gilberte de Courgenay». (1941)
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Frau Fivaz, seit gut einer Woche gibt Ihre Dissertation stark zu reden, weil Sie darin die bekannte Zahl der abgewiesenen Flüchtlinge von 24’500 auf 4000 Juden korrigieren. Was war das Ziel Ihrer Arbeit, die rund tausend Seiten umfasst?

Sie verfolgen also auch die Herkunft und die Wege der jüdischen Flüchtlinge?

Zu diskutieren gibt nun vor allem das Statistik-Kapitel Ihrer Arbeit, das rund vierzig Seiten umfasst und in dem Sie die Zahl der abgewiesenen jüdischen Flüchtlinge auf 4000 beziffern, was ein Maximum sei.

Lässt sich die von Ihnen nun genannte Zahl von maximal 4000 abgewiesenen jüdischen Flüchtlingen wirklich so genau festlegen?

An der Westgrenze weiss man Ihnen zufolge sehr genau, wie viele der dort abgewiesenen Juden deportiert wurden. Wie viele waren es?

Ihnen wird zum Vorwurf gemacht, dass Sie die Zahlen von der Romandie auf die gesamte Schweiz hochrechnen.

Neben dieser Studie, die nur die Ausschaffung von bereits eingereisten Personen erfasst, gibt es noch den Aufsatz von Guido Koller, der fast 10’000 Personen erwähnt, die bereits an der Tessiner Grenze zurückgewiesen wurden, also gar nie einreisen konnten. Kritiker sagen, Sie hätten diese Studie ignoriert.

Koller nennt für Februar/März 1944 zehn jüdische Flüchtlinge, die abgewiesen wurden, macht sonst aber keine weiteren Angaben. Haben Sie von dieser Zahl aus hochgerechnet?

Von Swissinfo werden Sie mit den Worten zitiert, wonach Heinrich Rothmund keineswegs ein Antisemit gewesen sei. Wie kommen Sie zu dieser Bewertung, obwohl es von Rothmund doch die Aussage vom September 1942 gibt, es sei ihm bis anhin gelungen, die «Verjudung der Schweiz» erfolgreich zu verhindern?

Aber Rothmund hat doch mit seiner Weisung vom September 1942, wonach «Flüchtlinge aus Rassegründen nach der bisherigen Praxis nicht politische Flüchtlinge» sind, also an der Grenze abgewiesen werden sollen, die antisemitische Politik der Nazis radikal durchgesetzt.

Aber im September 1942 ist die Schweizer Politik, die von Rothmund vertreten wird, wieder extrem restriktiv.

Ist die Polemik, die nun mit Ihrer Studie gegen den Bergier-Bericht geführt wird, denn nun in Ihrem Sinne?

Und Ihnen geht es gar nicht um die Zahlen, die nun so polemisch diskutiert werden?

Jetzt wird Ihre Studie in der «Weltwoche» für die Schlagzeile «Die meisten durften rein» genutzt.

Aus Ihrer Studie erfährt man auch, dass es rund 16’000 Visumsanträge von Juden gab, die von der Schweiz abgelehnt wurden. Der Bergier-Bericht ging von 14’500 abgelehnten Visumsanträgen aus. Wie kommen Sie zu dieser neuen Zahl?

Was waren Ihrer Meinung nach die beiden anderen?