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Der Universaldenker Michel Serres ist tot

Er gehörte zu den Grossen seiner Zunft. Nun ist der Franzose mit 88 Jahren am Samstag gestorben.

Ist im Alter von 88 Jahren gestorben: Michel Serres bei der Zeremonie des Dies Academicus der Universität Genf 2012. Foto: Keystone
Ist im Alter von 88 Jahren gestorben: Michel Serres bei der Zeremonie des Dies Academicus der Universität Genf 2012. Foto: Keystone

Der französische Philosoph Michel Serres wollte die Welt von Morgen vorbereiten. Er wäre gerne die Hebamme der kommenden Welt gewesen, hatte er einmal in einem Interview der französischen Zeitung «Le Figaro» erklärt. Denn sein Ziel war es, ein ganzheitliches Wissensverständnis zu schaffen, um auf die Herausforderungen der zeitgenössischen Welt zu reagieren.

Im Alter von 88 Jahren ist der Denker verstorben. Seiner Nachwelt hinterlässt er mehr als 50 Werke, in denen er Dualismen aufhebt und für eine Vereinigungsphilosophie plädiert. Kommunikation, Mythen und Biochemiemodelle: Michel Serres war ein Gelehrter mit ungewöhnlich vielseitigen Kenntnissen in den verschiedensten Gebieten.

Sein Credo: «Viele Naturwissenschaftler stellen sich heute überhaupt nicht den ethischen Problemen. Sie verharren innerhalb ihres Forschungshorizonts, ohne an einer Diskussion über diese Probleme interessiert zu sein. Auf der anderen Seite stellen zwar die Philosophen, die ich in Frankreich kenne, Fragen zur Ethik, doch ihr Wissen reicht nicht aus, um gute Fragen zu stellen.»

Verteilung des Wissens

Serres ging es stets um Brückenschlagen, Übergänge und Verbindungen. In seinen Werken reiste er deshalb durch die verschiedenen Wissenschaften. Unter dem Haupttitel «Hermes», dem Namen des Schutzpatrons der Reisenden, hat er zwischen 1969 und 1980 auch fünf Bände veröffentlicht, die unter anderem von Kommunikation und Verteilung des Wissens handeln.

Serres wurde in Agen im Südwesten des Landes geboren. Als junger Erwachsener trat er in die Marineschule in Brest ein, dann begann er mit dem Studium der Philosophie und wurde 1969 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der traditionsreichen Sorbonne in Paris.

Im Jahr 1984 begann er zudem an der Stanford University in Kalifornien zu unterrichten. Als Vermittler zwischen den Wissenschaften wurde er 1990 in die Académie française aufgenommen, Frankreichs bedeutendste Gelehrtengesellschaft.

(SDA)

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