Der Chef-Chrampfer verabschiedet sich

Das Gurtenfestival hat dieses Jahr sein Gelände erweitert und die Bühnen anders platziert. Hinter den Kulissen sorgt Festivalleiter Carlo Bommes dafür, dass alles reibungslos verläuft.

«Ich flippe nie aus»: Carlo Bommes auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals.

«Ich flippe nie aus»: Carlo Bommes auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals. Bild: Adrian Moser

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Mit forschem Schritt stapft er in festem Schuhwerk, kurzer Hose und Shirt mit firmeneigenem Logo über das Gurtengelände und schaut, dass mit dem Aufbau der Infrastruktur für das kommende Festival alles seine Richtigkeit hat. Das Funkgerät an der Schulter bleibt für die Interviewdauer still – wenn das Gurtenfestival im vollen Gange ist, wird es seinem Träger aber kaum eine ruhige Minute lassen.

Der 57-jährige Carlo Bommes ist nämlich nicht nur CEO der Eventfirma Appalooza, sondern gleichzeitig auch Inhaber der Gurtenfestival AG und zuständig für die Gesamtkoordination des Festivals auf dem Berner Hausberg. Es ist Bommes’ letzte «Güsche»-Ausgabe – der Eventfirma Appalooza bleibt er als CEO erhalten –, und es passt zu ihm, dem nüchternen, rationalen Chrampfer, dass er den grossen Abgang nicht mit Pauken und Trompeten zelebrieren will.

Die Firma Appalooza setzt das Gurtenfestival seit 19 Jahren um, Sie selber sind seit 18 Jahren mit von der Partie. Warum hören Sie jetzt auf und verabschieden sich nicht mit einem runden Jubiläum? Ich gehe nicht nach Jubiläen, sondern wenn es Zeit ist. Jetzt passt es, weil ich mit Simon Haldemann und Bobby Bähler zwei kompetente Nachfolger habe, denen ich die Geschäfte unbesorgt übergeben kann.

Sie sind bekannt als harter «Chrampfer». Seit wann sind Sie denn heute schon auf dem Berg?
Seit etwa fünf Uhr. Ich komme gerne früh, weil ich dann allerhand erledigen kann, bevor der Ansturm losgeht. Und ausserdem schlafe ich nicht gerne. Vier Stunden reichen voll und ganz.

Das Gurtengelände wurde dieses Jahr erweitert und umgestaltet. Welches sind die wesentlichen Veränderungen?
Die Waldbühne steht jetzt dort, wo bis anhin die Zeltbühne stand, dafür wurde letztere den Hang Richtung Kehrsatz hinunter verlegt. Durch diese Verschiebung haben die Gäste einerseits während des Konzerts einen fantastischen Ausblick auf die Stadt Bern und die Berge, andrerseits erfährt die Waldbühne so eine Aufwertung und erhält mehr Zuschauerplatz. Das ist auch nötig, denn das Interesse des Publikums für die Schweizer Bands, welche ja auf der Waldbühne auftreten, hat im Verlauf der Jahre zugenommen.

Gurtengänger jammern seit Jahrzehnten, dass das Gelände zu klein sei. Bis anhin hiess es, eine Vergrösserung sei nicht möglich. Nun ist es das plötzlich doch. Warum?
Die Idee, das Gelände zu erweitern, steht ja schon länger im Raum, aber wir mussten zuerst mit Landbesitzern und Behörden eine Lösung finden. Ausserdem haben wir das Gelände ja nicht um wahnsinnig viel Fläche erweitert, wir nützen sie einfach anders.

Auf der Wald- und der Zeltbühne fanden Konzerte ja jeweils zur gleichen Zeit statt. Wird das so bleiben? Wie vermeiden Sie Soundüberschneidungen?
Den Turnus haben wir beibehalten. Wald- und Zeltbühne werden nach wie vor gleichzeitig und alternierend mit der Hauptbühne bespielt. Mit der neuen Anordnung der Bühnen stehen Wald- und Zeltbühne nun noch weiter auseinander, weswegen musikalische Überschneidungen kein Thema sein werden. Ausserdem haben wir zwischen Konzertende und Konzertanfang auf den verschiedenen Bühnen neu eine viertelstündige Pause eingeplant. Das ermöglicht es, ohne Stress hin- und herzupendeln.

Beim Gurtenfestival ist die Sachlage punkto Booking ja etwas speziell: Lange Zeit gehörte der Booking-Hauptverantwortliche Philippe «Mister Gurten» Cornu zur hauseigenen Firma. Vor drei Jahren hat er sich selbstständig gemacht und bucht nun mit seiner Firma Wildpony die Gurten-Acts. Würde «Mister Gurten» eigentlich das Mandat entzogen, wenn die von ihm ausgewählten Bands einen zu kleinen Publikumsaufmarsch generierten?
Ach, in Bezug auf das Gurten-Booking wird ja viel gesagt und geschrieben. Mal heisst es, der Cornu sei zu alt und bringen nichts Neues, dann wiederum heisst es, man brauche bekannte Bands. Allen recht machen kann man es nie, und ausserdem ist Booking halt einfach auch eine richtig schwierige Angelegenheit, denn der internationale Konkurrenzkampf um die Bands ist hart. Mir kommen Booker manchmal vor wie Spielervermittler im Fussball oder Hockey. Das ist ein knallhartes Business. Manchmal hat man mehr Glück, manchmal weniger, das kennt jedes Festival. Das Wunschdenken ist bei der Programmation schon lange vorbei. Es sind Sachzwänge wie Geld und Datum, welche oftmals das Programm diktieren. Das hat mit der Booking-Agentur oder der Person nichts zu tun.

Als Mann für die Infrastruktur und die Sicherheit sind Sie ja während des ganzen Festivals vor Ort und bekommen zwangsläufig auch viel Musik ab. Was war denn das letzte Konzert, welches Carlo Bommes so richtig zum Ausflippen animiert hat?
Ich flippe nie aus. Mir ist wichtig, dass alles reibungslos verläuft, wenn 20 000 Menschen auf dem Berg sind.

Aber Musik muss Sie doch irgendwo berühren, sonst würden Sie doch nicht seit 18 Jahren diesen Job machen?!
Natürlich. Das letzte Konzert, das mich sehr berührt hat – da werden Sie jetzt staunen – war Adele im Hallenstadion. Ich bin mit gemischten Gefühlen dort hingefahren, eigentlich nur meiner Frau zuliebe, und war dann total überrascht von der Wahnsinns-Performance dieser Frau.

Gurten Mi, 11., bis Sa, 14. Juli. Die Tagespässe für Freitag (Alt-J, Angus & Julia Stone, Kraftclub u. a.) und Samstag (Cro, Mø, Bonez MC & Raf Camora u. a.) sind ausverkauft, für Mittwoch (Gorillaz, Damian «Jr. Gong» Marley u.v.m.) und Donnerstag (Prophets of Rage, Milky Chance, Parcels u. a.) gibt es noch Tickets. Noch zu erwerben sind ausserdem 4-Tages-Pässe für Mi/Do/Fr/Sa und 3-Tages-Pässe für Mi/Do/Fr. (Der Bund)

Erstellt: 05.07.2018, 07:22 Uhr

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