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«Das wird ein Klassikjahr»

Simon Jäggi erklärt, was Kummerbuben und Orchester so oft zusammenführt. Heuer auch im Progr. (So, 19. Januar)

Kummerbuben auf der Waldbühne am Gurtenfestival 2015.
Kummerbuben auf der Waldbühne am Gurtenfestival 2015.
Franziska Rothenbühler

Waren Sie am Konzert von Lo & Leduc mit dem Berner Symphonieorchester?

Nein.

Warum nicht? Sind Sie etwa gar kein Pop-meets-Classic-Fan?

Leider sind die Gründe lapidar: Ich bin ein schlechter Vorverkaufs-Nutzer.

Sie haben für das letzte Album der Kummerbuben mit dem 80-köpfigen Variaton Orchester zusammengespannt. Woher kommt dieser Wille der Berner Popmusikanten zum klassischen Grossformat?

Mit dem Alter lassen wir uns immer weniger durch Pläne, sondern durch Zufälle und glückliche Fügungen leiten. Wer kennen Droujeloub Yanakiew, er leitet das Orchester. So entstand die Geschichte – und die zieht immer weitere Fäden: Dieses Jahr spielen wir wahrscheinlich mit vier verschiedenen Orchestern.

Worum gehts: Um Zeitlosigkeit? Um musikalische Klangerweiterung? Oder doch bloss um die Ovationen der Hochkultur?

Uns reizt tatsächlich dieser Klangkörper, der gleichzeitig eine enorme Wucht, Feinheit und Vielstimmigkeit entwickeln kann. Das ist jetzt keine Phrase: Ich kriege ständig Gänsehaut, wenn wir mit Orchester spielen.

Was lehrt einen ein solcher Kulturenclash zwischen Notenständer und Stromgitarre?

Uns lehrt es Pünktlichkeit, Disziplin und mit wenig Proben Grosses auf die Beine zu stellen. Was die Klassiker von uns lernen? Mir kommen fast nur schlechte Angewohnheiten in den Sinn. Vielleicht: eine gewisse Rotzhaftigkeit.

Langweilt Sie der konventionelle Pop-Betrieb?

Wir machen immer mal wieder was Neues: Ballet, Theater, bei Minus zehn Grad im Schneesturm spielen. Das hilft.

In guten Jahren standen Sie bis zu 50 Mal auf der Konzertbühne. In den letzten vier Jahren waren es insgesamt nicht einmal 20. Sind Sie des Konzertierens müde geworden?

Wir gönnen uns in der Tat eine Pause. Zuvor haben wir zehn Jahre lang Alben und Projekte rausgeballert. Derzeit befinden wir uns noch immer ein bisschen im Frederick-Modus – das ist diese Maus aus dem Kinderbuch, die Sonnenstrahlen statt Körner sammelt.

Nun haben Sie das Orchester zu einem blasenden und streichenden Siebenköpfer zusammengeschrumpft. Ist das schon zu einer Einheit zusammengewachsen?

Wir hatten erst drei Proben. Immerhin kennen wir allmählich unsere Namen.

Die Kummerbuben starteten als Tom-Waits-Coverband, dann verpunkten Sie altes Schweizer Liedgut und spielten sogar in der «Musigstubete» auf. Jetzt also das Pop-Meets-Klassik-Format. Was ist als Nächstes angedacht?

Wie gesagt: Das wird ein Klassikjahr, das uns sogar nach Litauen führt. Ich selber bin seit geraumer Zeit mit Thierry Lüthy von Traktorkestar an einem elektronischen Projekt, das könnte was Schönes werden. Und am fernen Horizont wird dann irgendwann ein neues Kummerbuben-Album aufsteigen, das in die Geschichte eingehen wird, als das schrägste Nummer-1-Album aller Zeiten. Sie sehen: Wir haben keine Pläne mehr, aber wir haben noch immer Träume.

Turnhalle im Progr, Sonntag, 19. Januar, 20.30 Uhr

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