«Das wird auf jeden Fall knallen»

Berner Woche

Für den dreiteiligen Theaterabend «Triptychon» haben sich die Leute dahinter die Frage gestellt: Wie werden die 2020er-Jahre enden?

Barbara Boss stellt sich den Fragen der grossen Fragen der kommenden 2020er-Jahre.

Barbara Boss stellt sich den Fragen der grossen Fragen der kommenden 2020er-Jahre.

(Bild: zvg)

In Ihrer Produktion «Triptychon» trifft man auf eine avantgardistische Oper, auf ein apokalyptisches Roboter-Drama sowie Burlesque-Tänzer und Tiller-Girls in einer Krisenrevue. Wie passt das alles zusammen?
Für unseren dreiteiligen Theaterabend haben wir uns die Frage gestellt: Wie werden die 2020er-Jahre enden? Wenn wir unseren Blick 100 Jahre zurückschweifen lassen, entdecken wir zahlreiche Parallelen zwischen den 1920ern und unserer heutigen Zeit. Alle drei Teile behandeln diese Themen: Kandinsky in Form seines Librettos, ?apek als Sprechtheater und unser Kollektiv mit einer Revue. Die drei Teile passen bewusst nicht zusammen, ergeben aber aneinandergereiht ein, zugegebenermassen grössenwahnsinniges, Gesamtkunstwerk.

In ?apeks Warnstück «R.U.R.» etwa wenden sich Roboter gegen ihre menschlichen Erschaffer. Ziehen Sie eine Parallele zur aktuellen Debatte über künstliche Intelligenz?
?apek hat sich vor hundert Jahren genau dieselbe Frage gestellt, die wir noch heute diskutieren: Was passiert mit der Menschheit und ihrer Arbeitswelt, wenn Maschinen besser, schneller und präziser arbeiten können? Die 1920er-Jahre waren eine Zeit der Transformation: der aufkommende Populismus, der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau oder auch Konsum und Funktion neuer Medien – alles Krisenherde, die noch heute brodeln.

Worauf darf das Publikum an diesem Abend also hoffen? Werden Antworten auf die grossen Fragen unserer Zeit serviert? Oder wird es einfach gut unterhalten?
Ich glaube, dieser Abend wird die Zuschauer in erster Linie in ihren Sehgewohnheiten herausfordern. Drei verschiedene Stücke mit zwei jungen Ensembles, zwei Chören, einem Solosänger und einem Orchester – das wird auf jeden Fall knallen.

Nach Ihnen also tatsächlich die Sintflut, wie Sie in der Ankündigung des Stücks schreiben?
Nach uns die Sintflut – hoffentlich in Form eines fliessenden Diskurses. Oder eben vielleicht doch keine Sintflut, weil sich stetig etwas ändert. Statt wie in den Goldenen 20ern Champagner zu trinken und auf den Untergang zu warten, ist das Publikum herzlich eingeladen, mit uns zu diskutieren. Am besten im Anschluss an das Stück. Vielleicht dann eben doch mit einem Glas an der Bar.

Für «Triptychon» haben Sie mit dem Luzerner Kollektiv Fetter Vetter & Oma Hommage zusammengespannt. Wie kam es zu dieser Kooperation?
Wir wussten, dass wir eine solche Produktion alleine gar nicht stemmen können. Also haben wir Gleichgesinnte ins Boot geholt. Das hat fantastisch funktioniert. Und beide Seiten haben von der Zusammenarbeit profitiert: Das Luzerner Kollektiv konnte trotz Sparmassnahmen in der Kulturförderung seines Kantons nun mit uns in Bern produzieren. Und wir freuen uns darüber, die Produktion auch im Kleintheater Luzern zeigen zu dürfen.

Der Bund

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