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«Das Virus wird Lücken ins Angebot des Landes reissen»

Wer hilft der Kulturindustrie in der Corona-Krise? An der ersten Anhörung der Kulturverbände wurde allen der Ernst der Lage bewusst.

Menschenansammlungen wie hier am Greenfield Festival von Interlaken wird es in der nächsten Zeit wohl keine mehr geben.
Menschenansammlungen wie hier am Greenfield Festival von Interlaken wird es in der nächsten Zeit wohl keine mehr geben.
Manuel Lopez

Es gibt kaum einen Wirtschaftssektor in der Schweiz, der von der Corona-Krise nicht tangiert ist. Doch die Kulturbranche hat es frontal getroffen, wurden doch grosse Teile quasi mit einem staatlich verordneten Berufsverbot belegt. Seit dem 28. Februar sind Veranstaltungen über 1000 Personen untersagt, Veranstalter, Lokalbesitzer und Künstler bangen um ihre Existenz, und es deutet alles darauf hin, dass diese Massnahme nicht nur verlängert, sondern auch drastisch verschärft wird.

Deshalb haben das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Kulturstiftung Pro Helvetia diverse Kulturverbände zu einer Anhörung eingeladen. Ziel dieser Sitzung ist es gewesen, die durch das Coronavirus entstandenen wirtschaftlichen Konsequenzen in der Kulturbranche zu erörtern.

Feuer im Haus

Christoph Trummer vom Schweizer Verband der Musikschaffenden (Sonart) spricht von einem fruchtbaren Austausch. Das BAK habe den Ernst der Lage verstanden und werde die Interessen der Kulturindustrie innerhalb der Bundesverwaltung vehement vertreten.

Es gehe zunächst darum, das Feuer zu löschen, danach werde man schauen, welche Teile des Hauses noch zu retten seien, sagt Christoph Trummer. Konkret: Es geht um finanzielle Sofortmassnahmen, damit die Kulturveranstalter und die Kulturschaffenden liquid bleiben und nicht Konkurs anmelden müssen. In einem zweiten Schritt sollen mittelfristig angesetzte Massnahmen ausgehandelt werden. Hier geht es darum, zu definieren, wer für welchen finanziellen Schaden entschädigt werden kann und wie dieses Geld aufgeteilt wird.

Keine Grabenkämpfe

Und genau bei diesem Punkt dürfte noch länger Unklarheit herrschen. Es sei allen Beteiligten bewusst, dass unter den verschiedenen Kulturbereichen eine grosse Abhängigkeit herrsche, sagt Oliver Dredge vom Verband Schweizer Musikclubs und Festivals (Petzi). Ein Veranstalter könne nicht ohne Künstler überleben, und Künstler hätten Probleme, wenn es keine Aufführungsstätten mehr gebe. Allerdings herrsche noch grosse Rechtsunsicherheit in der Frage, ob bei einem Epidemie-Ereignis ein Veranstalter Gagen an die Künstler auszahlen müsse oder nicht. Immerhin liess die Pro Helvetia verlauten, dass bereits zugesagte Unterstützungsbeiträge im In- und Ausland auch dann ausbezahlt werden, wenn Projekte wegen des Coronavirus annulliert werden müssten, den Kunstschaffenden aber bereits Kosten entstanden seien.

Keine Flurbereinigung

Ebenfalls sei allen Beteiligten klar, dass man im Kultursektor nicht von einer Flurbereinigung sprechen könne: «Wenn Veranstalter oder Künstler Konkurs anmelden, wird das Lücken ins kulturelle Angebot des Landes reissen, für die nicht einfach ein Ersatz bereitsteht», sagt Trummer.

Am Hearing teilgenommen haben unter anderem Verbände wie Pro Cinema, Suisseculture, die Verbände der Theaterschaffenden oder der Eidgenössische Jodlerverband. Grabenkämpfe zwischen den Beteiligten seien nicht auszumachen gewesen, so Trummer. Man könne im Gegenteil eine grosse Solidarität zwischen den Kultursparten feststellen.

Ob diese Solidarität noch herrschen wird, wenn tatsächlich Gelder zu verteilen sind, wird sich indes noch weisen müssen. Ebenso ist unklar, wer letztlich entscheiden müsste, wo Härtefälle vorliegen.

Die Ergebnisse des Hearings sollen nun in eine Arbeitsgruppe der Bundesverwaltung fliessen. Diese will Massnahmen prüfen, wie die Schäden in den diversen Wirtschaftsbereichen des Landes abgefedert werden könnten. Schon am Freitag sollen erste vom Bundesrat getroffene Massnahmen zur wirtschaftlichen Hilfe kommuniziert werden.

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