«Das ist schon Liebe»

Der Basler Benjamin Noti und dessen Gitarre sind in der Berner Musikszene keine Unbekannten. Im Duo Noti Wümié hat er mit Rapper Greis zusammengespannt.

Die Zusammenarbeit mit Grégoire Vuilleumier alias Greis hat Benjamin Noti in Bern viele Türen geöffnet.

Die Zusammenarbeit mit Grégoire Vuilleumier alias Greis hat Benjamin Noti in Bern viele Türen geöffnet. Bild: zvg

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Er ist ein viel beschäftigter Mann, der Basler Musiker, Songschreiber und Produzent Benjamin Noti. Als Gitarrero tourt er unter anderem mit Anna Rossinelli und Steff la Cheffe durch die Lande, wobei Noti bei Cheffes aktuellem Album «Härz Schritt Macherin» auch als Songschreiber, Produzent und natürlich Musiker involviert war. Das Gleiche gilt für seine Zusammenarbeit mit Grégoire Vuilleumier alias Rapper Greis, mit dem der 32-jährige Noti das Duo Noti Wümié betreibt. Das Steckenpferd der beiden Herren sind chanson-inspirierte Mundartsongs, die zwischen lüpfig-lustig und melancholisch rangieren. Am Donnerstag taufen Noti Wümié im Rössli ihre erste Platte «Nouvelle Frisüre». Zeit, um mit Herrn Noti über seine Bern-Verbindungen zu sprechen.

Benjamin Noti, Sie haben sowohl beim Album von Greis als auch für Steff la Cheffe einige Songs geschrieben und produziert. Beide rappen jetzt nicht mehr ausschliesslich, sondern singen auch. Wie bringen Sie Rapper zum Singen?
Da steckt überhaupt keine Strategie dahinter, sondern vielmehr ein doppelter Zufall. Sowohl Steff la Cheffe als auch Greg (gemeint ist Grégoire Vuilleumier alias Greis) haben auf eigenen Wunsch zu singen begonnen. Das war überhaupt nicht meine Entscheidung.

Wie sind denn diese Bern-Verbindungen überhaupt entstanden? Sie haben ja nicht nur mit Steff la Cheffe und Greis zusammengearbeitet, sondern auch mit Baze und Bubi Rufener.
Auch hier: Zufall. Ich hab in meinem Leben eigentlich noch selten eindeutige Ziele formuliert, das hat sich alles irgendwie ergeben. In Bezug auf Bern ist es sicher so, dass mir die Zusammenarbeit mit Greg viele Türen geöffnet hat. Und ausserdem fühl ich mich einfach wohl mit Bernern und Bernerinnen. Es fägt.

Sie haben ja selber einmal gesagt, Sie seien ein lausiger Sänger und würden deswegen Gitarren spielen.
Ja, ich bin ein lausiger Sänger und fühl mich auch wahnsinnig unwohl dabei, wenn ich singen muss. Ob ich deswegen Gitarrist geworden bin? Ich bin mir nicht sicher, ob man das so sagen kann. Ich habe ja schon mit neun begonnen, Gitarre zu spielen. Ich glaube nicht, dass das Gitarrespielen einfach nur eine Ersatzhandlung ist. Das ist schon Liebe.

Geschichte und Soziologie habe er studiert, aber eigentlich sei dies vielmehr Hobby gewesen, denn sein Herz habe schon immer für die Musik geschlagen, sagt Benjamin Noti, der sich am Telefon als höflicher und zurückhaltender Zeitgenosse entpuppt und seine Worte mit Bedacht wählt. Zurzeit steckt Noti bis über beide Ohren in Arbeit, zumal die Taufe von «Nouvelle Frisüre» ansteht, dem ersten Album, welches seiner Kollaboration mit Grégoire Vuilleumier entsprungen ist. Zusammen haben sie auf «Nouvelle Frisüre» fünf Adaptionen – mehrheitlich von französischen Chansons – und sechs Eigenwerke versammelt.

Ihr Noti-Wümie-Verbündeter Grégoire Vuilleumier wurde in Lausanne geboren, wuchs bilingue auf und trägt einen französischen Namen. Ihm wurden das Chanson-Genre ja quasi in die Wiege gelegt. Wie sieht es denn mit Ihrer Chansons-Sozialisation aus?
Ich hatte vorher keine direkten Bezug zu dieser Musik, sondern war in meiner Jugend eher bluesrock-affin. Greg hat mich dann aber regelrecht mit Chansons bombardiert. Beim Erarbeiten der Songs für «Nouvelle Frisüre» wusste ich lustigerweise zum Teil gar nicht, dass wir covern beziehungsweise dass sich Greg an anderen Texten orientiert hat. Teilweise sind wir ja sehr nahe an der Vorlage geblieben und haben einfach die französischen Text ins Deutsche übersetzt oder umgekehrt. Andere Songs haben wir musikalisch sehr frei adaptiert. Eine Faustregel gab es nicht.

Die elf Songs auf «Nouvelle Frisüre» sind mehrheitlich luftig-süffige Chanson-Nummern, die inhaltlich gerne auch mal ins Abgründige kippen. So wird in «Mörderin» etwa eine Massenmörderin besungen, welche gerne Männer aufschlitzt. Wer ist bei Noti Wümié zuständig für die abgründigen Fantasien?
Die Texte sind Gregs Sache. Ich habe vielleicht phasenweise auch etwas abgründige Fantasien, aber ich schreibe sie halt einfach nicht auf. Meine Aufgabe beschränkt sich bei Noti Wümié auf musikalische Belange. So habe ich für «Nouvelle Frisüre» nicht nur die Gitarre, sondern auch Bass, Schlagzeug und Perkussion eingespielt.

Im Rössli werden Sie nur zu zweit auftreten. Was erwartet die Zuhörerschaft denn bei der Taufe von «Nouvelle Frisüre»?
Wir treten nur mit akustischer Gitarre und Gesang auf. Damit fabrizieren wir vielleicht keinen Stadionsound, aber weil die Gitarre das einzige Rhythmus- und Harmonieinstrument ist, sind wir natürlich wahnsinnig flexibel und können spontan interagieren. Für unsere Verhältnisse wird das ein gut vorbereitetes Konzert werden. In den Anfängen haben wir ja jeweils mit relativ wenig Songs ziemlich lange gespielt. Entsprechend waren wir immer für Überraschungen gut, wobei der Schuss auch schon mal nach hinten losgehen konnte. Mittlerweile haben wir viel mehr Songs, die wir auch alle vortragen wollen. Darum wird der Klamaukfaktor vielleicht etwas kleiner sein als üblich. Es kann aber auch sein, dass mich Greg überrascht und alles ganz anders wird. Wenn ichs mir recht überlege, wage ich eigentlich keine Prognose.

Die Zusammenarbeit mit Grégoire Vuilleumier alias Greis hat Benjamin Noti in Bern viele Türen geöffnet. Foto: zvg

Rössli Reitschule, Donnerstag, 6. September, 22 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2018, 07:06 Uhr

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