Caroline Charrières «Passion universelle» bleibt unvollendet

Während der Arbeit an ihrer «Passion universelle» ist Caroline Charrière in Freiburg nach langer Krankheit 57-jährig gestorben.

Charrière war als preisgekrönte Komponistin international gefragt.<p class='credit'>(Bild: laliberte.ch)</p>

Charrière war als preisgekrönte Komponistin international gefragt.

(Bild: laliberte.ch)

Sie wirkte auf eine ganz besondere Art unscheinbar: Als Caroline Charrière 2003 mit Chor und Orchester im Berner Münster auftrat, präsentierte sie sich nicht wie eine selbstbewusste Zeremonienmeisterin. Irgendwie traute man ihr die physisch-psychische Anstrengung dreier aufeinanderfolgender Konzertabende nicht zu.

Dies galt es für sie zu bewältigen. Das Frauen-Musik-Forum Schweiz widmete der Freiburger Komponistin und Dirigentin nämlich drei Porträtkonzerte; es wurden Erlebnisse, deren Kraft man nicht vergisst. Auch als Dirigentin blieb Charrière die sensible introvertierte Sucherin, als die sie sich in ihren Werken outet. Komponieren, sagte sie einmal, sei viel unromantischer, als man sich das vorstelle. «Es ist eine riesige Arbeit.» Sie komponiere aus einer inneren Notwendigkeit. «Ich möchte durch meine Werke Zeugnis ablegen von meiner Existenz und Friedensinseln schaffen in einer zerrissenen Welt. Durch meine Musik reflektiere ich, was das aktuelle Geschehen in mir auslöst.»

Seit jenem denkwürdigen Auftritt im Münster ist man ihren Werken in Bern immer wieder begegnet. Charrière, die Flötistin und Mitbegründerin des Frauenvokalensembles Choeur de Jade, war als preisgekrönte Komponistin international gefragt. Ihre von Dissonanzen aufgeraute Klangsprache knüpfte an Arthur Honegger und Benjamin Britten an; die Musik war zugänglich, aber nie gefällig. Wer sich auf sie einliess, ging kein anderes Risiko ein als das, berührt zu werden. Etwa durch fiebrige Klänge, die um dunkle Zentren drehen, als wären sie Brandmale von Fragen, auf welche die Komponistin keine Antworten fand.

Fragen stellte sie viele. Nach dem Leben, dem Sinn des Leidens. Oder was nach dem Tod kommt. Nun hat er sie eingeholt. Während der Arbeit an ihrer «Passion universelle» ist Caroline Charrière in Freiburg nach langer Krankheit gestorben; sie wurde 57 Jahre alt.

Der Bund

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