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Wolfgang Herrndorf ist tot

Der krebskranke Autor des Bestsellers «Tschick» hat sich offenbar das Leben genommen.

Die Chronik seines angekündigten Todes konnte über mehrere Jahre lesen, wer das wollte. Nachdem bei ihm ein Glioblastom diagnostiziert worden war, ein äusserst bösartiger Hirntumor, begann Wolfgang Herrndorf nicht nur den Leidensweg der Therapien, die in diesem Fall nur Aufschub, aber nicht Heilung bedeuten konnten: Operationen, Chemo, Bestrahlungen. Er begann auch einen Blog mit dem nüchternen Titel «Arbeit und Struktur». Darin beschrieb er, was er so tat mit einem Leben, dessen Ende nicht nur unausweichlich ist wie für uns alle, sondern in Sichtweite gerückt, näher und immer näher kam. Er hielt fest, was die Ärzte sagten, was wohlmeinende Bekannte über vergleichbare Fälle zu berichten wussten, was die Fachliteratur für Erkenntnisse bereit hielt.

Mit sarkastischem Humor notierte er, wenn er die prognostizierte Restlebensdauer übertroffen hatte. Mit Wut, wenn ihm aufdringliche Fans zu nahe kamen, gar noch mit Hinweisen auf irgendwelche Wunderheiler. Der Ton war manchmal bitter, aber nie larmoyant. Ein in Ton und Haltung einzigartiges Krankenjournal, würdig der stoischen Tradition, in der es steht. Und wert, einen zentralen Platz in Herrndorfs Werk einzunehmen, wenn es einmal zum Buch gebunden sein wird.

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