Wenn Politiker morden

Die Lektüre zweier Krimi-Neuheiten aus der Feder von Ex-Parlamentariern ist nicht nur eine Tortur.

Manche Politiker schreiben ganz vergnügliche Krimis.

Manche Politiker schreiben ganz vergnügliche Krimis.

(Bild: Thomas Egli)

Die Politik drängt sich in der Bundesstadt als Stoff oder Kulisse für Krimis geradezu auf, es fehlen Bannmeile und Abstand, die Macht scheint zum Greifen nah oder liegt zumindest gut ausgeleuchtet im Blickfeld.

Viele Autoren haben in der Folge von Dürrenmatts «Richter und sein Henker» versucht, Ähnliches zu schaffen, aktuell zwei Politiker selber. Einerseits der frühere CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener mit seinem sechsten Werk um Marc Dubach («Dubach im Finanzsumpf», mit Heinz Ramstein, Weltbild Verlag, Olten), zum Zweiten der langjährige BDP-Grossrat Dieter Widmer mit seinem zweiten Buch: «Wutanfall im Berner Rathaus».

Beide betonen dezidiert die Fiktionalität ihrer Geschichten. Auffällig sind die Ähnlichkeiten im Stil. Es wimmelt von Adjektiven, Worthülsen und fixen Mustern, die kaum Platz zum Atmen lassen. Die Lektüre ist trotzdem nicht blosse Tortur. Allein schon die Vorstellung, Baudirektorin Babette Eggimann könnte mit einem Gipsmodell der Dresdner Frauenkirche unabsichtlich den Rathausabwart erschlagen haben, ist, pardon, ungemein amüsant. Ebenso das Spiel, hinter den Romanfiguren jeweils die realen Vorbilder zu suchen. Bei Widmer ist dies leichter, doch auch Hochreuteners «Tarnungen» sind durchschaubar.

Verstehen wir die beiden Werke als reines Mittel zum Zeitvertrieb, dann wünschen wir uns höchstens ein noch breiteres Autorenfeld mit neuen Stoffen. Hans Grunder beispielsweise trauen wir eine haarsträubende Saga aus der Welt der Pferdezucht zu, Lorenz Hess etwas Rassiges im Bereich Wildbretschmuggel und Jagdunfälle. Manfred Bühler könnte uns mit Intrigen aus der Motocross-Szene unterhalten. Bei Christa Markwalder würde sich eine Story um gefälschte Ruggeri- und Amati-Cellos anbieten, bei Albert Rösti eine wilde Geschichte von Milchpanschern und Käsedieben. Mangelndes Schreibtalent gilt nicht als Ausrede, viele Printjournalisten verdienen sich gerne ein Zubrot als Ghostwriter.

Der Bund

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