«Wenn eine tannigi Hose het . . .»

Einst waren sie ein Grosserfolg, dann lange vergriffen: Jetzt gibt es die zwei Büchlein «Liedli» und «Värsli» wieder. Ende der 1970er-Jahre wurden sie von der Bernerin Dorothee Zürcher-Maass gesammelt und liebevoll illustriert.

Kindliche Freude an Worten und Bildern: Die beiden Büchlein lassen einen eintauchen in Verse und Lieder in verschiedenen Schweizer Dialekt.

Kindliche Freude an Worten und Bildern: Die beiden Büchlein lassen einen eintauchen in Verse und Lieder in verschiedenen Schweizer Dialekt. Bild: Martin Bichsel, Bern

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Ein «Värsli» hatte es dem Zweijährigen besonders angetan; ungeduldig erwartete er jeweils den Regen, auf dass er in seinen leuchtenden Gummistiefeln losziehen und mit grenzenlosem Vergnügen durch die Pfützen stapfen konnte – dazu rief er: «I bin e chlyne Stumpe / Rund und dich. / I trappen ine Glunnge, / Hui, das sprützt!» Und nun fühlt er sich in einem kleinen Buch «Värsli» verewigt, erkennt sich im Bub mit den roten Backen wieder, eingepackt in einen blauen Ganzkörperanzug, mit gelben Gummistiefeln, braunen Fäustlingen und einer roten Zipfelmütze.

Wer Eltern wird oder Grosseltern, verwandelt sich in einem gewissen Sinn auch wieder in ein Kind, sind doch Erinnerungen an die ersten Lebensjahre meist eng verknüpft mit Liedern und Versen, die im Familienkreis – auf Spaziergängen, langen Autofahrten oder abends am Bettrand – gesungen und aufgesagt wurden.

Ende der 1970er-Jahre schrieb Dorothee Zürcher-Maass für ihre Sprösslinge und als Geschenk für Kinder im Bekanntenkreis einige Dialekt-Verse und -Lieder auf und illustrierte sie mit feinem Gespür. Sie hatte damals gerade einen Buchbinderkurs gemacht und füllte die leeren Büchlein mit Versen und Liedern aus dem «Volksschatz» – von «Joggeli wott ga Birli schüttler . . .» über «Wenn eine tannig Hose het . . .» und «Chumm, mir wei ga Chriesli gwünne» bis zum «Arme Beck» oder dem «Chemifäger, schwarze Ma».

Die beiden Büchlein kamen beim jungen Zielpublikum über die Massen gut an; einmal tauschte Dorothee Zürcher-Maass ein Exemplar gar gegen eine Kaffeemaschine ein. Und wie landete sie beim renommierten Sauerländer-Verlag? «Meine Cousine hatte mit dem Verleger studiert», erinnert sich Dorothee Zürcher-Maass, «und als er sie einmal besuchte, lagen wie zufällig zwei Exemplare mit Müsterchen auf dem Tisch. Er hat angebissen.»

Ein veritabler Bestseller

Nachdem der Sauerländer-Verlag Anfang der 1990er-Jahre von einem deutschen Verlag aufgekauft worden war, liessen die neuen Inhaber die Titel auslaufen und gaben Dorothee Zürcher-Maass die Rechte zurück. «Der Verlag wurde nach Deutschland transferiert», erinnert sie sich», «und dort war natürlich das Interesse an Mundartbüchlein nicht vorhanden.»

Dabei waren die beiden Büchlein in der Deutschschweiz veritable Bestseller: In sieben Auflagen gingen rund 50'000 Exemplare über den Ladentisch. Und jetzt also das Comeback nach über zwei Jahrzehnten, in denen die Illustratorin immer wieder gefragt wurde, ob man die beiden Büchlein noch kaufen könne.

«Dorothee ist eine alte Freundin unserer Eltern, und wir erhielten als Kinder damals ihre Büchlein geschenkt», erzählt Verleger Matthias Vatter. «Wir waren deshalb Feuer und Flamme, als sie uns anfragte, ob wir zusammen die beiden Büchlein neu herausbringen wollten.»

Das gemeinsam mit dem Stämpfli-Verlag realisierte Vorhaben gestaltete sich produktionstechnisch allerdings nicht ganz einfach. «Es waren keine digitalen Daten vorhanden», sagt Matthias Vatter, «der Sauerländer-Verlag hatte damals auch die Druckvorlagen vernichtet, und wir mussten deshalb von den handgearbeiteten Originalen ausgehen».

Der Aufwand jedoch hat sich gelohnt. Dorothee Zürcher-Maass freut sich natürlich über die späte Neuauflage. Das Reimen und Liedersingen sei für Kinder nicht zuletzt eine vergnügliche «Sprachschule». Texte blieben viel leichter haften, und die Kinder kämen zu wertvollen Erfolgserlebnissen. Sie habe im Laufe der Jahre viele Eltern erlebt, die stolz zu ihr gesagt hätten: «Jetzt kann mein Kind alle Värsli aus dem Buch auswendig.»

Dorothee Zürcher-Maass: «Liedli» und «Värsli», Verlag Vatter & Vatter, Bern 2017. Einzeln je 19 Fr., im Kombipack 34 Fr. target="_blank">www.vatterundvatter.de (Der Bund)

Erstellt: 06.05.2017, 09:29 Uhr

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