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Wann kommt das Retortenfleisch?

Richard David Prechts «Tiere denken» ist eine überzeugende Bestandesaufnahme des tierethischen Diskurses. In einem Punkt ist der deutsche Philosoph allerdings allzu optimistisch.

In einem Geflügershop in Rotterdam. Sie werden traditionell zu Weihnachten gegessen.
In einem Geflügershop in Rotterdam. Sie werden traditionell zu Weihnachten gegessen.
Keystone
Eingekerkerte Hunde und Katzen in Yulin, China.
Eingekerkerte Hunde und Katzen in Yulin, China.
Keystone
In einem Schweizer Schlachtbetrieb.
In einem Schweizer Schlachtbetrieb.
Keystone
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Ist es gerechtfertigt, eine Grenze zwischen Mensch und Tier zu ziehen? Ist der Homo sapiens wirklich die Krone der Schöpfung? Und wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen Mensch und Affe?

Solche Fragen stehen am Anfang von Richard David Prechts neuem Buch «Tiere denken». Man folgt dem 1964 geborenen Philosophen mit In­teresse, wenn er auf hundert gut zu lesenden Seiten die gängige Vormachtstellung des Menschen hinterfragt: Er stehe nämlich nur dann über der restlichen Schöpfung, wenn mit menschlichen Wertmassstäben gemessen werde. Dabei spielten Kategorien wie Intelligenz, Rationalität, Sprache und Kultur eine wichtige Rolle. Man könnte aber auch, so schlägt Precht vor, mit den Massstäben des Bibers messen: Wieso ist nicht zuoberst in der Tierwelt, wer schwimmen, sich zugleich an Land bewegen und Staudämme bauen kann? Ebenso gut könnte man argumentieren, Kraken seien die komplexesten Organismen: Sie bewohnen sämtliche Meere vom Nord- bis zum Südpol, haben eine Speiseröhre, die Nahrung ­zerkleinern kann, verfügen über drei Herzen und acht hirnähnliche Nervenknotenpunkte, die alle koor­diniert miteinander arbeiten. Ist dies nicht das vollkommenste Lebewesen auf der Welt?

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