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Tom Sharpe gestorben

Mit seinen scharfen Satiren galt der britische Schriftsteller als eine Art Schutzheiliger der «political incorrectness».

Berühmt für seinen Sarkasmus: Autor Sharpe (Bild vom 9. Oktober 2009).
Berühmt für seinen Sarkasmus: Autor Sharpe (Bild vom 9. Oktober 2009).
Keystone

Sharpe starb im Alter von 85 Jahren. Seine Geschichten sind schreiend komisch, bitterböse, für manche überschreiten sie die Grenzen des guten Geschmacks - doch sie haben Tom Sharpe zum Bestseller-Autor gemacht.

Sharpe wurde 1928 als Sohn einer Südafrikanerin und eines britischen Pfarrers in London geboren. Er griff früh zur Feder: «Ich habe angefangen zu schreiben, als ich noch ganz jung war», erklärte er. «Vor allem Poesie.» Nach seinem Dienst als Marinesoldat studierte er Literatur und deutsche Geschichte in Cambridge. Danach ging er als Sozialarbeiter, Lehrer und Fotograf nach Südafrika, wo er mehrere erfolglose politische Theaterstücke schrieb. 1961 wurde er wegen seiner Kritik an der Apartheid ausgewiesen und ging zurück nach England.

Alter Ego Wilt

In Südafrika habe er schreckliche Dinge gesehen, erzählt Sharpe kurz vor seinem 85. Geburtstag im März der Nachrichtenagentur dpa: «Ich hasste es, wie Schwarze behandelt wurden.» Verarbeitet hat er die Erlebnisse in seinem ersten Roman «Tohuwabohu» (1971). Darin nimmt er die weisse Arroganz und autoritäre Brutalität gegenüber Dunkelhäutigen aufs Korn.

Das Buch wurde ein Erfolg, wie auch «Mohrenwäsche» (1973). Die Satire hatte ihn gefunden. Wenig später schuf er den ersten Roman mit seiner wohl wichtigsten literarischen Figur: dem Berufsschullehrer Henry Wilt. Zum ersten Mal taucht der Mann, der «schlecht im Bett ist und das Gehirn eines Grashüpfers hat», in «Puppenmord» (1976) auf. Die Vorlage wurde später mit Griff Rhys Jones in der Hauptrolle verfilmt. 2010 hatte Wilt in «Henry haut ab» zum sechsten Mal mit dem Leben zu hadern.

Wilt, dem Anti-Helden, machen seine Frau, Kollegen und Schüler das Leben zur Hölle, dauernd gerät er in peinliche Verwicklungen. Vielleicht genau deswegen sind die Bücher so erfolgreich. Wilt sei beliebt bei Lesern, weil er ein Durchschnittsmensch sei, schätzte Sharpes Frau Nancy, eine Amerikanerin.

Ganz so schlimm dann doch nicht

Doch nicht nur Durchschnittsmenschen wie Wilt bekommen Sharpes Sarkasmus zu spüren, sondern auch die feine und dünkelhafte englische Gesellschaft. In seinen Romanen skizziert der Autor menschliche Schwächen, Träume und Perversionen überschwänglich und grotesk.

Die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet er ständig. Dass er damit nicht allen gefiel, war ihm immer bewusst. Er wisse, wie schlecht einige seiner Witze seien, sagte er einmal. Doch er lasse sie stehen, weil er wisse, dass sie auch manche Leser mögen werden. Sharpe, der von manchen als witzigster britischer Romanautor bezeichnet wird, ähnele zwar seiner bekanntesten Romanfigur Wilt, sei aber nicht so langweilig wie dieser, erzählte seine Frau kurz vor seinem Geburtstag: «Tom ist charismatisch, charmant, liebt es, zu reden.»

Auch privat satirisch

Seit ein paar Jahren wohnte Sharpe alleine in einer Villa an der spanischen Costa Brava. Zurück nach Grossbritannien wollte er nicht, wegen des schlechten britischen Gesundheitssystems, wie er erklärte. Seine Frau, die in Cambridge lebt, besuchte ihn oft. Die beiden hatten 1969 geheiratet.

Auch beim Heiratsantrag geizte der Autor nicht mit schwarzem Humor: «Ich habe ihr einen Antrag gemacht und gesagt, ich liebe dich nicht, möchte dich aber heiraten.» Sie sagte trotzdem ja.

SDA

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