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«Spitzenforschung ist letztlich undemokratisch»

Chemiker Gottfried Schatz hat ein Buch über die Wissenschaftswelt geschrieben. Er plädiert für eine harte Auslese nach amerikanischem Vorbild: Förderung der Top-Forscher, notfalls auf Kosten der Mittelmässigen.

Aufsteigen oder Rausfallen: Mensa der Elite-Uni Harvard. (5. Februar 1996)
Aufsteigen oder Rausfallen: Mensa der Elite-Uni Harvard. (5. Februar 1996)
Keystone
Seilschaften spielen in der Schweiz eine wichtige Rolle: Aufnahme eines Hörsaals der Hochschule St. Gallen. (1. März 2010)
Seilschaften spielen in der Schweiz eine wichtige Rolle: Aufnahme eines Hörsaals der Hochschule St. Gallen. (1. März 2010)
Keystone
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Was ermöglichte Ihnen den akademischen Aufstieg – abgesehen von Ihrer Fachkompetenz? Enorm wichtig war, dass ich früh auf Wissenschaftler traf, die an mich glaubten, mich inspirierten und mich förderten. Sie wurden mir zu persönlichen Vorbildern für mein eigenes Forscherdasein.

Am Anfang Ihrer Karriere stand also grosses Glück. Tatsächlich. Wer nicht wie ich von bekannten Wissenschaftlern unter die Fittiche genommen wird, muss heute wie damals alleine gegen sehr hässliche Hürden ankämpfen. So erfolgt die Auswahl für begehrte Posten an Universitäten und anderen Forschungsstätten oft über intransparente und unfaire Mechanismen. Viele junge Forscher sind selbst heute noch auf Gedeih und Verderb einem Vorgesetzten ausgeliefert. Gerade in einem kleinen Land wie der Schweiz spielen Seilschaften nicht selten eine zentrale Rolle: Habilitationen werden an Kandidaten vergeben, zu denen man eine enge Beziehung hat oder denen man etwas schuldet – und Professuren gehen oft an ehemalige Schüler oder Mitarbeiter des zurücktretenden Amtsinhabers. In den USA ist die Situation in dieser Hinsicht besser, weil man bewusst auf Vielfalt setzt und Inzucht bewusst vermeidet.

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