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Rolf Lappert: «Der Preis kurbelt das Geschäft an»

Er ist der einzige Schweizer unter den sechs Anwärtern auf den Deutschen Buchpreis. Rolf Lappert über seine Befindlichkeit vor der Verleihung, den Sinn und Unsinn von Buchpreisen und seine Zeit als «Mannezimmer»-Autor.

Heute abend ist die Verleihung des deutschen Buchpreises. Aufgeregt? Nein. Ich glaube, ich weiss wer den Preis bekommt – und ich bin es nicht. Aber ich wettete schon, dass ich nicht auf die Longlist komme, auch nicht auf die Shortlist, und jedes Mal verlor ich. Wetten möchte ich nicht mehr, aber ich bin ziemlich sicher.

Sie glauben wirklich zu wissen wer den Preis erhält? Wer denn? Wissen tu ich es nicht. Aber wie in jedem Jahr wird heftig spekuliert. Viele aus der Branche denken, Uwe Tellkamp wird es machen. Dieser Meinung bin ich auch – aber man weiss es natürlich nie. Mein persönlicher Favorit ist Sherko Fatah mit seinem Roman «Das dunkle Schiff».

Was halten Sie eigentlich von dieser Preisflut? Eben noch der Nobelpreis, jetzt der Deutsche Buchpreis, dann noch der Schweizerische? Den Nobelpreis betrachtet man als kleiner Autor natürlich nur aus der Ferne, das ist kein Thema. Sonst finde ich das keine schlechte Sache, diese Preise verschaffen der Literatur Öffentlichkeit und damit Aufmerksamkeit.

Es gibt Autoren, die sich gegen Buchpreise wehren, eben auch wieder beim Deutschen Buchpreis. Da ich nominiert bin, halte ich mich diesbezüglich zurück. Ich kann nur sagen: Wenn man fordert, dass der Buchpreis abgeschafft wird, müsste man konsequenterweise auch fordern, dass andere Preise abgeschafft werden, zum Beispiel an Filmfestivals. Diese Preise sind ein Instrument der Branche, die das Geschäft ankurbeln. Natürlich sind sie immer auch ungerecht. Viele, die es verdient hätten, werden nicht nominiert. Die Jury beim Deutschen Buchpreis besteht aus sieben Menschen; logischerweise kann da nicht von Objektivität gesprochen werden. Und egal, was diese oder eine andere Jury für eine Wahl trifft – sie wird immer angezweifelt und kritisiert. Das provoziert Diskussionen, und das ist ja auch wieder gut.

Gerade bei Ihnen zeigt sich, dass diese Preise eine positive Wirkung haben können. Viele Leute in der Schweiz haben Sie durch die Nominierung erst entdeckt. Das freut mich. Und deshalb sage ich ja: Für die, die drauf sind, ist es wunderbar. Die Verkaufszahlen steigen, es gibt mehr Anfragen für Übersetzungen, der Verlag freut sich. Das ist alles toll. Nur: Viele gute Bücher bleiben im Schatten, und das ist wiederum sehr schade.

Sie wohnen in Irland, jetzt sind Sie so etwas wie der Schweizer Hoffnung. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Natürlich könnte es passieren, dass ich weder beim Deutschen noch beim Schweizer Buchpreis eine Auszeichnung erhalte. Dann wäre ich vielleicht so etwas wie die tragische Figur – wobei ich mich sicher nicht als solche fühlen würde. Aber die Medien lieben so etwas natürlich. Aber ich kann mir Schlimmeres vorstellen.

In der Schweiz waren Sie bisher vor allem als Co-Autor der Sitcom «Mannezimmer» bekannt. «Fascht e Familie»-Autor Charles Lewinsky hat wie sie einen grossen, epischen Roman geschrieben. Ist das Zufall? Ja, ich denke schon. Wir haben beide eine völlig unterschiedliche Herkunft. Ich komme von der Literatur, hatte schon vor «Mannezimmer» Romane und Gedichtbände veröffentlich, Charles Lewinsky hat ja auch Schlagertexte, Theaterstücke und alles mögliche geschrieben.

Charles Lewinsky hatte Mühe, vom Literaturbetrieb ernst genommen zu werden. Ihnen hat der Ausflug ins Sitcom-Fach offenbar nicht geschadet. Ihm wurde seine übrige Tätigkeit mehr als einmal vorgeworfen, so im Sinne, dass jemand, der fürs Fernsehen arbeitet, ja wohl keinen ernsthaften Roman schreiben könne. Absoluter Blödsinn. Dass er so vieles kann, zeigt höchstens, wie virtuos er ist. Es ist höchst unprofessionell, wenn jemand so beurteilt wird.

Ist für Sie das Kapitel Drehbuchschreiben abgeschlossen? Ja. Das war eine gute, schöne Erfahrung. Vor allem die Teamarbeit hat mir gefallen. Ich will mich aber jetzt aufs Romane Schreiben konzentrieren.

Können Sie schon etwas über Ihren neuen Roman sagen? Das soll man ja nicht… Es geht aber um ein Geschwisterpaar, das sich verliert. Um eine grosse Suche. Wieder eher episch angelegt.

Es dauert aber nicht wieder 13 Jahre bis zur Veröffentlichung? Nein, hoffentlich nicht. 2010 sollte das Buch erscheinen. Wenn alles gut geht.

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