Zum Hauptinhalt springen

Künstlerischer Ausflug in eine andere Sphäre

Ewa Hess

Als eine «Erschütterung der sesshaften Zivilisationen» sah der französische Philosoph ­Emmanuel Lévinas die Mond­landung vor 50Jahren. Die Ausstellung «Fly me to the Moon», die heute im Kunsthaus Zürich eröffnet wird, nimmt den Faden dieses Diskurses auf. Vielleicht war die Erstbegehung eines anderen Himmelskörpers 1969 tatsächlich mehr als nur ein putziges Souvenir aus der Zeit der Lavalampen und Sputnikraketen?

In geheimnisvoll dunkelblau dekorierten Sälen richtet die ­Kuratorin Cathérine Hug einen Parcours ein, der zeitlich weit ausholt. Einen Leitfaden bildet dabei die in vielen Werken auftauchende, von Kratern durchsetzte Mondoberfläche, welche die meisten Menschen von den Nasa-Fotografien kennen.

Diese Bilder und die pseudogenau nachgebildete Mondoberfläche des deutschen Künstlers Michael Sailstorfer deuten das Spannungsfeld an: Kunst, Wissenschaft und Philosophie treffen zusammen. Sind oft sogar in einem Werk vereinigt, etwa in «Earth-Moon-Earth» der 38-jährigen Britin Katie Paterson. Sie hat mit einer ausgeklügelten Morsetechnik eine Aufzeichnung der «Mondscheinsonate» von Beethoven zum Mond hinauf und von dort zurück auf die Erde geschickt. Die seltsam verstümmelten Klänge begleiten den Museumsbesucher auf seiner Monderkundung.

Mondkrankheiten

Natürlich konnte die Kuratorin üppig aus dem Depot des Museums schöpfen – auch Johann Heinrich Füssli fehlt nicht dabei. Einzelne Kapitel der Ausstellung versammeln die Werke thematisch, so sind etwa «Mondkrankheiten und Grenzerfahrungen» ein Thema oder auch «Helden und Antihelden».

Spannend wird es, wo die künstlerischen Projektionen in die Zukunft weisen, etwa beim Thema «Kolonisierung des Mondes», das ja mit den neu erwachten chinesischen und amerikanischen Ansprüchen langsam wieder an Aktualität gewinnt. Hier hätte man sich eine weitere Vertiefung gewünscht, Werke, die auch das aggressive Potenzial dieser Entwicklung ausloten.

Insgesamt ist die nach einem Song von Frank Sinatra benannte Ausstellung ein wunderbar ­gelungener Ausflug in eine andere Sphäre, mit Licht und Schatten, mit Yinka Shonibares schwebenden Astronauten und Sylvie Fleurys lasziv verchillten Goldraketen. Nostalgische Erinnerung an die lustige Mondbegeisterung von vor 50Jahren macht gute Laune, während die Ahnungen über die Fortsetzung der Geschichte nachdenklich machen.

«Fly me to the Moon», Kunsthaus Zürich, bis 30. Juni.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch