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Kaum jemand kennt den Nobelpreisträger

Im deutschsprachigen Raum ist der Literaturnobelpreisträger J.M.G. Le Clézio nahezu unbekannt. Literaturkritiker Marcel-Ranicki ist entsprechend enttäuscht über die Wahl.

Weshalb kennt hier kaum jemand J.M.G. Le Clézio Die «Welt» ging schon im Jahr 2000 dieser Frage nach und schrieb: «Die Antwort ist einfach. Weil es dieser in seinen Exoten-Bonus inzwischen so verliebte Autor schafft, auf einer einzigen Buchseite solche Sätze unterzubringen: ‹Die Nacht ist lang und strahlend, voller Musik und Rauch... Es ist eine uralte Nacht, eine Nacht, die dem Anfang ähnelt... Es ist eine endlose Nacht, jeder Augenblick verschmilzt mit dem nächsten.› Auf französisch mag diesem Singsang noch etwas Betörendes eigen sein; übertragen ins Deutsche, entlarvt es sich als Kitsch. Der vorliegende Roman ‹Ein Ort fernab der Welt› ist voll davon, und das auf nahezu jeder seiner 567 Seiten.» Dennoch meint der «Welt»-Kritiker, dass eine «wunderbare Geschichte» erzählt werde.

Reaktionen von den hiesigen Experten zu erhalten, ist aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades Le Clézios schwierig. Immerhin meldete sich bereits Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu Wort. Er ist mit der Vergabe des Literaturnobelpreises an Le Clézio nicht zufrieden. Er sei «natürlich» enttäuscht, «weil Philip Roth den Preis seit vielen Jahren verdient hätte», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. Erneut sei der US-Autor aber leer ausgegangen, monierte der berühmteste Literaturkritiker Deutschlands.

Frankreichs Aussenminister begeistert

Anders tönt es aus Frankreich. Mit «sehr grosser Freude» reagiert Frankreichs Aussenminister Bernard Kouchner in einer Mitteilung auf die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Jean-Marie Gustave Le Clézio: «Diese wunderbare Auszeichnung krönt eine der einzigartigsten Romankreationen unserer Zeit, einer der anspruchsvollsten und erfindungsreichsten Produktionen». Kouchner lobt Le Clézio als «einen Weltbürger, der reist, wie er schreibt, um zu verstehen, wer er ist und wer die anderen sind».

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy würdigte Le Clézio als einen Weltbürger, «einen Sohn aller Kontinente und Kulturen».

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