Inger-Maria Mahlke gewinnt den Deutschen Buchpreis

Die Berlinerin wurde für ihren Roman «Archipel» ausgezeichnet. Sie ist die erste Frau seit fünf Jahren, die den wichtigsten Preis der Branche erhält.

Berliner Autorin mit preisgekröntem Teneriffa-Roman: Inger-Maria Mahlke bei der Preisverleihung.

Berliner Autorin mit preisgekröntem Teneriffa-Roman: Inger-Maria Mahlke bei der Preisverleihung.

(Bild: Keystone)

Martin Ebel@tagesanzeiger

Ab heute hat die 70. Frankfurter Buchmesse, das weltgrösste Branchentreffen, ihre Tore geöffnet. Seit einigen Jahren reisen viele Journalisten und Verlagsleute aber schon Montag Abend an. Seit 2005 wird dann im Kaisersaal des Frankfurter Römers der Deutsche Buchpreis verliehen, die am stärksten beachtete, mit Spannung erwartete, immer wieder umstrittene Auszeichnung für den «besten Roman» des Jahres.

Aus den sechs Finalisten (unter denen sich kein Schweizer befand) wählte die Jury Inger-Maria Mahlke zur Siegerin. Sie erhält 25 000 Euro und kann auf einen Platz auf den Bestsellerlisten hoffen. In ihrem Roman «Archipel» (Rowohlt) erzählt sie die Geschichte der Insel Teneriffa anhand von drei Familien aus drei sozialen Schichten, und zwar rückwärts: ausgehend von der Gegenwart bis ins Jahr 1919 und von dem heutigen desolaten Zustand einer zugebauten Feriendestination zurück zur franquistischen Diktatur und zum Bürgerkrieg.

Inger-Maria Mahlke ist 1977 in Hamburg geboren und in Lübeck sowie teilweise auf Teneriffa aufgewachsen. In ihrer kurzen Dankesrede erwähnte sie Barbara Laugwitz, deren Entlassung als Rowohlt-Verlegerin viel Unmut unter Autoren ausgelöst hatte. Bücher seien eben keine Joghurts, sagte sie - und meinte damit: Verlage sollten nicht geführt werden wie Joghurtfirmen.

33 Schriftzeichen

Der Auftritt des Gastlandes Georgien steht unter dem Motto «Made by Characters», womit nicht nur auf die Charakterköpfe der Literatur verwiesen werden soll, sondern auch auf die georgische Schrift, die aus dem 4. Jahrhundert stammt, über 33 Schriftzeichen verfügt und auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturguts steht.

Mehr als 70 georgische Autorinnen und Autoren reisen zur Messe und dem umfangreichen kulturellen Begleitprogramm an. Fast 200 Titel sind im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt in deutscher Übersetzung erschienen. In Frankfurt sind Kunstwerke, Fotografien, Videos, Filme und archäologische Funde ausgestellt. Theatertruppen und Musiker treten auf, darunter die Pianistin Khatia Buniatishvili und die Geigerin Lisa Batiashvili.

400 000 Titel

Jenseits des Schwerpunktes finden die Besucher (bis Freitag nur Fachleute, Samstag und Sonntag das breite Publikum) in den Hallen des Messegeländes auf 170 000 Quadratmetern rund 400 000 Titel von 7100 Ausstellern aus über 100 Ländern.

Der rechtslastige Antaios-Verlag, um dessen Stand es im vergangenen Jahr zu heftigen Auseinandersetzungen mit Polizeieinsatz kam, hat diesmal auf eine Teilnahme verzichtet. Das Vordringen des Rechtspopulismus wird aber ein Thema von Foren und Debatten sein, ebenso die Krise des Buchhandels, die sich in einem Schwund der Buchkäufer ausdrückt. Aus Spargründen lassen grosse Verlage wie Rowohlt, Fischer und Hanser ihre traditionellen Buchmessen-Empfänge ausfallen.

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