In der Einfachheit liegt die Würze

Warum man sich die TV-Serie «Salz. Fett. Säure. Hitze.» unbedingt einverleiben sollte.

Wenn sie lacht, gibt sie gackernde Töne von sich: Die Köchin Samin Nosrat schliesst man schnell ins Herz.<p class='credit'>(Bild: PD)</p>

Wenn sie lacht, gibt sie gackernde Töne von sich: Die Köchin Samin Nosrat schliesst man schnell ins Herz.

(Bild: PD)

Nina Kobelt@Tamedia

Muss das denn jetzt sein?, werden Sie sich fragen, muss ich mir diese Serie wirklich auch noch antun? Reichen «The Americans», «Quartier des banques» und das Remake von «Der Denver-Clan» nicht, um diesen Winter einigermassen bequem auf dem Sofa zu überstehen?

Nein, tun sie nicht. Weil «Salz. Fett. Säure. Hitze.» spannender erzählt wird als konstruierte fiktive Geschichten, die das Leben nie schrieb.

Gackernd durch Italien

Autorin Samin Nosrat des gleichnamigen Bestsellers führt gleich selber durch den Film – und wie erfrischend das ist! Die iranisch-amerikanische Köchin hat keine Berührungsängste, sie umarmt Lebensmittelproduzenten, die sie besucht, fragt den ligurischen Olivenbauer bei der Ernte: «Haben wir keine Brillen, um uns zu schützen?», und gibt gackernde Töne von sich, wenn sie lacht.

Kurz: Man kann gar nicht anders, als sie sofort ins Herz zu schliessen (was man ja nicht von allen Serienfiguren behaupten kann). «Salz. Fett. Säure. Hitze.» ist ein Leitfaden über die Grundlagen der Kochkunst. Das sind bei Samin Nosrat vier Elemente, mehr nicht. Der Ansatz ist schon fast revolutionär, was sie zu einer viel diskutierten Köchin macht zurzeit, und ebenso einfach, worin auch der Zauber der Serie liegt. Denn für Zuschauer heisst das: Man muss sich für einmal nicht mühsam Notizen über Zubereitungsarten machen oder ellenlange Postizetteli schreiben. Sondern – bei einem guten Glas Wein, unbedingt! – über die Weisheiten nachdenken, die einem sanft anvertraut werden: Ein gutes Essen startet mit dem Fett, in dem es gekocht wird. Die Olivenernte ist beendet, wenn keine Früchte mehr auf dem Baum hängen. Wenn der Pesto am Ende zu wenig salzig ist, gibt man eben noch ein wenig Salz hinzu.

Einfach nach Hause

Samin Nosrat reiste (auf den Spuren von «Fett») nach Italien, zu den südlichen Inseln Japans («Salz»), nach Yucatán («Säure») und zum Restaurant Chez Panisse im kalifornischen Berkeley, wo ihre Karriere einst ihren Anfang nahm und wo sie sich des Themas «Hitze» annimmt. Dort kocht sie unter anderem mit ihrer Mutter Safranreis, genauer: verkrusteten Reis am Boden einer Pfanne, der Tahdig genannt wird. Nosrat will damit zwei unterschiedliche Arten von Hitze demonstrieren. Und als Zuschauerin fasziniert einen einmal mehr die Einfachheit aller Dinge.

So. Kann sein, dass Sie sich vorgenommen haben, in diesen dunklen Tagen mehr zu lesen statt vor dem Fernseher zu sitzen. Auch gut. Das Buch von Samin Nosrat empfehlen wir natürlich wärmstens. Wie die vier Folgen von «Salz. Fett. Säure. Hitze.» enthält es einige Rezepte, doch ist es vor allem eine Hommage ans Kochen. Jenem Kochen, das selbst Couchpotatoes zustande kriegen – nicht heute, aber irgendwann.

«Salz. Fett. Säure. Hitze.» auf Netflix; Buch: Samin Nosrat / Wendy MacNaughton: «Salz. Fett. Säure. Hitze.» (Kunstmann, ca. 50 Fr.)

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...