So schöni Wort

Mundart-Kolumnist Gerhard Meister über die «Kultur der Wertschätzung», und was diese mit Montagen zu tun hat.

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Me het extra Retraitene u Workshops veraschtautet, für ds nöie Leitbiud vo üsere Firma z formuliere. Me het sech ganz grundsätzlech überleit, was ghört i sones Leitbiud iche, was si üsi Wärte, was isch üs wichtig, was wei mer u was wei mer nid? Me het im Wärteworkshop für aues, wo wichtig isch, es Wort uf enes Stück Papier gschribe u het när ganz viu vo dene Papier gha mit ganz viu schöne Wörter druf u het us au dene schöne Wörter schöni Sätz gmacht.

Üses nöie Leitbiud, so schöni Wort, so schöni Sätz. Aber jetz isch äbe Mändig, u me hocket i sim Büro, u da het me ne wieder vor sech, dä Typ, wo eim scho nach füf Minute ufe Wecker geit, unerträglech, viellech isch dä Typ o ne Frou, das schpiut ke Roue, ob öpper Hugetobler heisst oder Boscovic, schpiut ke Roue, es geit nid um Gschlächter, es geit nid um Näme, es geit schlicht und eifach dadrum, dass dr anger, exgüse, aber i chas nid angersch säge, es Arschloch isch. Nei, i bruuche dä Chraftusdruck nid, für mir es Väntiu z verschaffe, mit däm Chraftusdruck hani nid Luft abglah, für dass i wieder cha düreschnufe, für dass i im angere wieder dr Mönsch cha gseh mit sine guete Site, wo o ig cha schätze u viellech sogar dankbar si für se. Nei, dä Chraftusdruck bezeichnet genau, was dr anger isch, es Arschloch. I weiss, vo was i rede, i ha mit däm – dir wüsset, was i meine – jede Tag z tüe, u zwar scho sit längerem, en Irrtum isch da leider nüm müglech.

Üses nöie Leitbiud, so schöni Wort, so schöni Sätz wie zum Bischpiu: «Wir sprechen auch Schwierigkeiten offen an.» Was heisst das jetz für mi? Söu i eifach zuenem häre u säge, sorry, i hätt süsch nüt gseit, aber weisch, i üsem nöie Leitbiud, da heissts, me söu Schwierigkeite offe aschpräche, ja u mir isch es es Aliege, dass die schöne Wort vo däm Leitbiud nid eifach nume schöni Wort blibe, u därum sägeni jetz, was mini Schwierigkeit isch, u das isch äbe eini, wo ni mit dir ha, mit dire Art, mit dim Naturell mit dire ganze Pärson, ja, mini Schwierigkeit isch, dass du haut eifach es Arschloch bisch.

Aber im nöie Leitbiud heissts doch äbe o«Wir leben in einer Kultur der Wertschätzung». U isch es de es Zeiche vo Wärtschätzig, we me öpperem seit, är sig es Arschloch? Aber weni nüt säge, de hani äbe mini Schwierikeite nid offe agschproche, u viellech isch ja ds Problem nume das, dass i meine, es Arschloch sig öppis schlächts, viellech het das ja o siner Vorteile, wo mir bis jetz nid si bewusst gsi: Es heisst ja im Leitbiud o «Wir nutzen die Verschiedenartigkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wir fokussieren auf Potenziale». Ja u ds Potenziau u d Verschiedenartigkeit vo ihm im Gägesatz zu mir u fasch aune angere isch äbe die, dass er es Arschloch isch, u das müesst me jetz äbe positiv chönne gseh u nutze. Aber wie? U für was? Das heissts im Leitbiud leider nid. Da heissts nume «Wir erkennen und setzen Trends». Aber was heisst das jetz? Söu i jetz dr Trend setze zu immer me Arschlöcher im Betrieb?

Guet, aus Arschloch hätt i de natürlech kes Problem meh, am angere z säge, er sig es Arschloch. Aus Arschloch muess me ja ke Rücksicht näh, aber uf dr angere Site, was wird us au dene schöne Wort vo däm nöie Leitbiud, we aui im Betrieb Arschlöcher si worde? U wie bringe ni das Arschloch, wo nig es Problem hat mit em, i au dene schöne Wort unger? Was häufe de da au die schöne Wörter u erscht Rächt, wes Mändi isch u vor mire Nase... I nimme das Wort jetz nümm ids Muu, dir wüsst jetz aui, was mis Problem isch.

Der Bund

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