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«Frauen sind genauso fanatisch»

Hofft auf eine Rückkehr der Mädchen: Åsne Seierstad, Autorin und Journalistin. Foto: Franziska Rothenbuehler

Die Terromiliz IS hat den Krieg verloren. Ihr Buch über zwei somalische Mädchen, die in den Jihad reisten, kommt spät.

Ist die Terrormiliz IS am Ende?

In Europa geht die Angst um, dass zurückkehrende IS-Kämpfer neue Anschläge planen. Wie gross ist diese Gefahr?

Kommen wir zu Ihrem Buch über die beiden Mädchen, die 2013 als Krieger-Bräute nach Syrien gereist sind. Leben sie noch?

Wo sind die Mädchen jetzt?

Sollte man sich eine Rückkehr der radikalisierten Mädchen wünschen oder sollte man eher Angst davor haben?

Sagen Sie dies, weil die Frauen keine Kämpferinnen waren?

Die Mädchen waren also nicht hasserfüllt, sondern bloss romantisch?

Ayan, das eine Mädchen, blieb aber eiskalt, als es ihrem Vater gelang, sie in Syrien zu treffen. Dabei hatte er sein Leben riskiert.

«Auch als Islamist kann man ein treuer Ehemann und liebender Vater sein»

Im Buch gibt es aber einen Kippmoment in der Entwicklung der Mädchen, der irreversibel ist. Das war sehr früh.

Die in Norwegen in der Islamistenszene verkehrten.

Bei der Radikalisierung dürfte die Rolle des Predigers in der Koranschule entscheidend gewesen sein.

Sie sagten, die Mädchen seien lieber First-Class-Musliminnen als Second-Class-Norwegerinnen gewesen.

Die Mädchen sind sehr intelligent und waren in Norwegen integriert.

Aber die Lehrer waren beeindruckt von ihren rhetorischen Fähigkeiten.

Zentral bei der Radikalisierung dürfte die Mutter gewesen sein. Sie ist überhaupt nicht integriert und dominiert die Familie. Die Integration steht und fällt mit den Frauen.

Die beiden Schwestern als Opfer zu sehen, widerstrebt ihr: Die norwegische Autorin Åsne Seierstad. Foto: Franziska Rothenbuehler

Sie ist bereit, das Leben des Vaters zu opfern. Sie schickt ihn nach Syrien, um die Mädchen zu holen.

Natürlich. Aber ich würde es aus eigenem Antrieb machen und nicht, weil es mir jemand befiehlt.

In einer deutschen Rezension hiess es: «Die Mädchen sind keine Opfer. Es sind bloss zwei egozentrische junge Frauen.»

Es gibt auch unfreiwillige Komik im Buch, zum Beispiel beim Halal Dating: Wie wähle ich eine Frau aus, wenn ich sie unter dem Schleier gar nie sehen kann vor der Heirat?

Ihre Methode wird als «literarischer Journalismus» bezeichnet, der auch mit fiktiven Elementen arbeitet. Woher wissen Sie, wie die Mädchen im Frauenhaus in Raqqa lebten?

Waren Sie überrascht vom Resultat Ihrer detektivischen Recherche?

Hat die Schule mit ihrem Ideal der Religionsfreiheit und Diversität versagt? Hätten die Lehrer eingreifen sollen, als die Mädchen für die Scharia in Norwegen eintraten?

Mit der Mutter der Mädchen wäre eine Intervention aber schwierig.

«Der Jihad macht alle persönlichen Probleme klein.»

Womit wir erneut bei der Mutter wären.

Was müsste man am System ändern?

Im Buch heisst es einmal: «Der Jihad macht alle persönlichen Probleme klein.»

Aber nicht jeder Jugendliche reist deswegen in den Krieg.