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Ex-Terrorist veröffentlicht luxuriöse Traumtrilogie

Die kurze Zeit bei der Roten Armee Fraktion (RAF) prägt Christof Wackernagels Leben bis heute.

Sein Buch kostet rund 350 Franken: Autor Wackernagel.
Sein Buch kostet rund 350 Franken: Autor Wackernagel.
Agentur-alexander.de

Auch sein neues Buch, die 603 Seiten starke Traumtrilogie «es», gäbe es nicht ohne seine Erfahrungen im Untergrund und die sich anschliessenden zehn Jahre im Gefängnis.

Er habe bei der RAF nicht einmal die Praktikantenzeit überdauert, sagt Christof Wackernagel, Enkel des Basler Kunsthistorikers Martin Wackernagel, gern, wenn die Rede auf seine Zeit als Terrorist kommt. Gerade zwei Monate gehörte der Schauspieler und Schriftsteller der RAF an, bevor er 1977 nach einer Schiesserei in Amsterdam verhaftet wurde. Die Idee zu dem Buch sei entstanden, weil er entgegen dem Wunsch seines Verlegers kein Buch über seine RAF-Vergangenheit schreiben wollte. «Es ist eine Zumutung, ein Buch über die RAF zu schreiben. Es gibt 250 davon und sie stimmen alle nicht», sagte Wackernagel am Mittwoch bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse.

Wer von Geschichte schreibe, verschiebe und verdränge, selbst wenn er es nicht wolle. «Träume hingegen bringen Verdrängtes an die Oberfläche» fügte er hinzu. 15 Jahre lang protokollierte Wackernagel, der inzwischen die meiste Zeit im afrikanischen Mali lebt, seine Träume. Begonnen hat er damit 1978 im Gefängnis nach einem besonders «intensiven Traum», der ihm, dem Schauspieler, erschienen sei «wie ein Drehbuch».

Klaus Croissant als Opernregisseur

Die Traumtrilogie stellt in drei parallel zu lesenden Spalten Wackernagels Träume, darauf basierende Assoziationen - die der Autor «Halluzinationen» nennt - und auf diesen beiden basierende Tagträume gegenüber. Während sich Leser durch die ersten Spalten blättern und hier und da schmökern können, habe die dritte Spalte eine fortlaufende Handlung und lese sich wie ein Roman, sagte Wackernagel.

In dieser Handlung schlagen sich wiederum die Erfahrungen aus Wackernagels Zeit als Politaktivist und in der RAF nieder. Eine Gruppe, ursprünglich eine Theatergruppe, kämpft gegen das Auto als Symbol der Zerstörung der Welt und für sauberes Trinkwasser für alle Menschen.

Scheitern und Streit sind wie im realen Leben programmiert und Figuren aus der Vergangenheit tauchen verfremdet auf. Beispielsweise tritt der frühere RAF-Anwalt Klaus Croissant als Opernregisseur in Erscheinung. «Menschen erscheinen in Träumen oft verändert und das habe ich in die Tagträume übernommen», erzählte Wackernagel. Mehr als 1700 Personen lässt er in der Traumtrilogie auftreten.

25 Jahre Arbeit, 248 Euro

Insgesamt 25 Jahre arbeitete Wackernagel an der Traumtrilogie. Zu der 15 Jahre währenden Protokollierung der Träume sei noch die Zeit gekommen, in der er ein Konzept entwickelt habe, erzählte er. 2003 schliesslich sei er nach Afrika gegangen und habe sechs Jahre lang die zweite und dritte Spalte geschrieben. Die Sisyphos-Arbeit schlägt sich auch in den äusseren Dimensionen des Werks nieder. Über vier Kilogramm wiegt das Buch, das die Masse eines mittelgrossen Bildbandes aufweist. Beachtlich ist auch der Preis: 248 Euro muss der Leser für das Wackernagelsche Traumuniversum hinblättern.

SDA

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