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«Er strebte nie wirklich die Änderung der Gesellschaft an»

In seinem neuen Buch analysiert Professor Andrew James Johnston die Legende des Robin Hood. Im Interview erklärt er, inwiefern Hood Wilhelm Tell ähnelt und weshalb der Räuber kein Sozialist ist.

Die Bezeichnung «Robin Hood» ist immer wieder zu hören – welche unserer Zeitgenossen würden Sie am ehesten mit Robin Hood vergleichen? Ich glaube nicht, dass es möglich ist, heute eine Person mit Robin Hood zu vergleichen. Wenn man im Kern der Legende so etwas wie ein radikaldemokratisches Gerechtigkeitsstreben gegen eine selbstherrliche Obrigkeit identifiziert, dann sind vielleicht am ehesten Organisationen wie Attac zu nennen. Allerdings strebte Robin in der langen Geschichte seiner Legende nie wirklich die Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse an.

Sondern? Er ist eher Trickser als Revolutionär. Ihn interessiert die Überlistung der Herrschenden, nicht deren Ablösung; daher fehlt es ihm immer an einem politischen Programm. Wenn man versucht, den Trickster-Aspekt in die Gegenwart zu übertragen, dann ähneln Robin vielleicht am meisten idealistische Hacker, die ihre Computerfähigkeiten nutzen, um das korrupte Handeln oder die Inkompetenz von Regierungen oder grossen Unternehmen bloss zu stellen.

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