Ein Toter im Botanischen Garten

«Gute Nachbarn»: Auch der fünfte Krimi von Regine Frei spielt in Bern – aber es will nicht so recht Spannung aufkommen.

Charakterisierung ist ihr wichtiger als Handlung: Autorin Regine Frei.

Charakterisierung ist ihr wichtiger als Handlung: Autorin Regine Frei. Bild: zvg

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Der letzte Fall, in welchem Schriftstellerin Regine Frei Senior Robert Hofer zum Einsatz kommen liess, liegt zwei Jahre zurück. «Finale im Nebel» hiess der Krimi, in welchem ein Toter am Zibelemärit und ein Senior mit Gedächtnislücken für Verwirrung sorgten. Frei zeigte darin eindrücklich die Verunsicherung, welche eine Krankheit wie Demenz bei Betroffenen und in deren Umfeld auslösen kann. Für ihren neusten Krimi-Streich «Gute Nachbarn» hat sich Frei ein weit weniger dramatisches Oberthema vorgenommen: Nachbarschaft.

In Bern herrscht Hochwasser, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Der 12-jährige Florian klingelt mit dreckigen und nassen Turnschuhen und Kleidern bei einer Nachbarin, die seit Jahren als seine Ersatzgrossmutter fungiert, derweil im Botanischen Garten beim Teich im Waldgarten ein Toter gefunden wird. Die Ermittlungen der Kantonspolizei wollen nicht recht vorankommen, erst nach und nach setzt sich ein Bild des verblichenen Alexander Martini zusammen. Offenbar handelte es sich hierbei um einen abweisenden und unfreundlichen Finanzberater, der es sich zum Hobby gemacht hatte, verheirateten Frauen nachzustellen, um deren Ehe zu sabotieren. Affäre an Affäre habe er gereiht, weiss Martinis Nachbarin der Polizei zu erzählen.

Auch die Schwester des Toten, welche in der Länggasse einen Coiffeurladen betreibt, weiss nicht viel Gutes über ihren Bruder zu berichten, und noch viel weniger Barbara Michliger, welche im Coiffeursalon von Silvia Martini arbeitet und die Stiefmutter von Florian ist. Barbara Michliger gehört nämlich zu den Frauen, welche Windhund Martini auf den Leim gekrochen waren. Und das wiederum hat Florian zufälligerweise herausgefunden, weswegen der Bub in den Fokus der Ermittlungen gerät.

Mehr Dreck und Schlamm

Es ist ein Markenzeichen von Regine Frei, dass sie der Charakterisierung ihrer Figuren viel Platz einräumt, wodurch die eigentliche Handlung nur sehr langsam vorankommt. Das hat beim letzten Werk «Finale im Nebel» nicht gestört, weil dort die Thematik, welche den roten Faden lieferte – die Demenzerkrankung des Seniors –, per se eine spannende mit dramatischem Potenzial war.

In «Gute Nachbarn» stellt Frei unterschiedliche Arten von nachbarschaftlichen Verhältnissen ins Zentrum und geht dabei der Frage nach, ob und wie eng man sich auf Nachbaren einlassen soll und wann es angebracht ist, sich in das Leben der Frau oder des Mannes nebenan einzumischen.

Da Freis Figuren – abgesehen vom Toten Martini – alles anständige Menschen sind, die einander wenig bis nichts Böses wollen, will nicht so recht Spannung aufkommen. Man wünscht sich ein bisschen mehr Schmiss in der ganzen Behäbigkeit und ein bisschen mehr Schlamm und Dreck, wenn der Krimi denn schon in einem von Hochwasser geplagten Bern angesiedelt wird.

Regine Frei: «Gute Nachbarn», Eigenverlag, 280 Seiten, 16 Fr. (Der Bund)

Erstellt: 16.10.2017, 10:59 Uhr

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