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Ein Misfit macht sich passend

Gary Shteyngarts Memoiren lesen sich als hoch komischer Höllentrip. Am Montag liest der Schriftsteller in Zürich.

Der russische Schriftsteller Gary Shteyngart hält seine Leser mit seinem Faible für klassische Spannungsbögen bei der Stange. Bild: Brigitte Lacombe
Der russische Schriftsteller Gary Shteyngart hält seine Leser mit seinem Faible für klassische Spannungsbögen bei der Stange. Bild: Brigitte Lacombe

«Mein lieber kleiner Sohn»: So schreibt Garys Vater dem schmächtigen, asthmageplagten Dreikäsehoch im Sommer 1978. Der Fünfjährige macht mit seiner Mutter am Schwarzen Meer Ferien und vermisst seinen Vater schrecklich.

Aber weil die Beziehungen zwischen Vater, Mutter und Kind furchtbar kompliziert sind, bleibt diese liebevolle Anrede eine von Garys wenigen ungetrübten Kindheitserinnerungen. Sonst nämlich streichelt sein Vater ihn mit einer von Enttäuschung und Mitleid beschwerten Hand und murmelt dabei: «Ach, ty, sopljak.» Ach, du, Rotznase. Später verwandeln sich die Streicheleinheiten in Schläge, etwa wenn die Hausaufgaben nicht perfekt gemacht sind; die «Rotznase» wird als «Schweinehund» beschimpft. Garys Mutter wiederum entdeckt in ihrem «slabyi» (Schwächling) ein Geschöpf, das sie, irgendwann nach der Einreise in die USA, halb zärtlich, halb hoffnungslos «failurtschka» nennt: «little failure», «kleiner Versager». Der bittersüsse Spitzname gab den Memoiren Gary Shteyngarts den Titel.

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