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Drei Männer und der Krieg

Die junge deutsche Autorin Harriet Köhler beschreibt in ihrem neuen Roman das schwierige Verhältnis dreier Männer aus drei Generationen

«Die Gegenwart, das ist doch nicht einfach bloss jetzt», heisst das Motto von Peter Kurzeck, das Harriet Köhler ihrem Roman vorangestellt hat. In der Tat: Es ist eine Gegenwart, an die sich die Vergangenheit klammert wie ein Würgeengel. Der Krieg ist es, wieder einmal, dieses auch die jüngste deutsche Literatur so bestimmende Thema. Drei Männer stellt Harriet Köhler vor, Grossvater, Vater und Sohn. Walther (95) und Jürgen (68) haben den Zweiten Weltkrieg erlebt, Nicki kennt ihn nur aus Erzählungen, und die nerven ihn: weil sie floskelhaft oder verniedlichend sind. Was Nicki gern hätte, wären echte Gefühle; aber wie könnten die sich zeigen, wenn die, die sie zeigen müssten, nicht einmal gelernt haben, sie zu fühlen?

Walther, dessen Vater im Ersten Weltkrieg gefallen ist, hat seine sprachliche Identität in burschikosem Kasernenhofton und altbackenen Witzen gefunden. Jürgen, ebenfalls vaterlos aufgewachsen – als Walther aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war er zehn –, musste, im Kleiderschrank versteckt, miterleben, wie seine Mutter von russischen Soldaten vergewaltigt wurde. Er musste dieser Mutter in der Folge nicht nur Sohn, sondern auch Beschützer, Tröster, Gefährte sein. Er hat auch das schreckliche Geheimnis mit ihr und vor dem heimgekehrten Vater bewahrt.

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